Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 120
Eine Bibel für Beuys
Von
Meisterschüler Stüttgen ehrt seinen Lehrer
Nicht jedermanns Sache, doch für Beuys-Enthusiasten ein Muss: Endlich, nach mehr als 30 Jahren, legt nun Johannes Stüttgen einen monströsen Folianten vor, den Joseph Beuys (1921 bis 1986) bei seinem einstigen Meisterschüler und engsten Mitarbeiter schon 1977 in Auftrag gab.
Es handelt sich um den gut 1000 Seiten starken, aus Protokollen, Interviews, Berichten und Chroniken kompilierten Insider- Report über die Jahre 1966 bis 1972, in denen Professor Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie die kühnen Sentenzen seines Erweiterten Kunstbegriffs entwickelte ("Denken ist bereits Plastik"), seine "Deutsche Studentenpartei" gründete und mit konsequentem Engagement für die Autonomie der Hochschule die Staatsaufsicht provozierte.
Als er immer mehr abgewiesene Studenten in seiner Klasse hospitieren ließ, wurde Beuys vom Minister für Wissenschaft und Forschung Johannes Rau entlassen, jedoch später vom Bundesarbeitsgericht rehabilitiert.
Und da der Erzähler Stüttgen die authentische, auch private Stofffülle klug rafft und plausibel kommentiert, wird sein Zeitdokument postum zu einer Bibel für Beuys. A. N.
Johannes Stüttgen: Der Ganze Riemen.
Joseph Beuys - der Auftritt als Lehrer an der Kunstakademie Düsseldorf 1966-72. Verlag der Buchhandlung Walther König. 1048 S., 617 Abb., 98 Euro
Bildunterschrift:
Joseph Beuys und Johannes Stüttgen, Düsseldorf 1967
