Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 110
"Wir unterwerfen uns nicht"
Von Adrienne Braun
Marketing: Gespräch mit Direktorin Ackermann
Marion Ackermann, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, will sich nicht von Sponsoren bestimmen lassen. art-Korrespondentin sprach mit ihr über Museumsarbeit und Geldgeber:
Wann ist ein Museum für Sponsoren attraktiv?
Man sollte ein klares, positiv besetztes Profil haben. Wichtig ist auch, dass ein Haus überregional wahrgenommen wird. Außerdem wird bewährte Qualität erwartet, wobei man gleichzeitig an den jüngsten Entwicklungen der Kunst und dem ganz Neuen dran sein soll.
Ihr Haus ist jung, gilt noch als frisch und deshalb attraktiv. Was werden Sie tun, wenn dieser Jugendbonus verbraucht ist?
Wir leben und arbeiten so, dass wir sexy bleiben.
Auf Banken allein, das hat sich gezeigt, ist kein Verlass. Müssen Museen auf einen Branchenmix bei den Sponsoren achten?
Im Prinzip ja. Das verlangen ja auch die meisten Sponsoringverträge. Ich achte immer darauf, dass die Finanzierung auf mehreren Säulen ruht, um langfristig eine möglichst große Unabhängigkeit zu bewahren.
Vermutlich schicken viele Häuser Spione aus, um zu erfahren, ob die Kollegen bessere Tricks beim Geldeintreiben haben - gibt es da ein heimliches Ranking?
Ich halte nichts davon, sich mit möglichst vielen Sponsorenemblemen zu schmücken. Wir konzentrieren uns auf den Aufbau von inhaltlich stark gefüllten, langfristigen Bindungen zwischen drei und fünf Jahren mit einzelnen Partnern.
Wie kompromissfähig muss man bei Sponsorwünschen sein?
Es würde heute keiner mehr wagen, ein Auto ins Museum zu stellen.
Unsere Sponsoren sind sehr sensibel geworden in Bezug auf künstlerische und museale Belange.
Viele Häuser haben eigene Abteilungen für Sponsoring. Sie kommen ohne aus.
Der Marketinggedanke muss in die Arbeit einfließen, darf aber nicht als Selbstzweck unser Denken und Handeln bestimmen. Zum Beispiel verwenden wir immer "unsere Sprache", nicht die der Marketingleute; wir tragen "unsere Kleidung" und unterwerfen uns nicht der Kleiderordnung des Gegenübers. Sonst bilden wir nicht mehr die Gegenwelt der Kunst ab und lösen uns auf.
Bildunterschrift:
Chefin des Kunstmuseums Stuttgart: Marion Ackermann
