Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 110
Drei auf einen Streich
Von Stefan Koldehoff
Entdeckung: Van-Gogh-Gemälde in Amsterdamer Kellerdepot
Gut 35 Jahre lang hingen die drei kleinen Frauenporträts im Kellerdepot an der Amsterdamer Museumplein. Seit dort 1973 das Van Gogh Museum eröffnete, das die Sammlung der Familie des Malers zeigt, wurde das Leinwandtrio mit Skepsis betrachtet.
Dass Vincent van Gogh (1853 bis 1890) die drei Gemälde eigenhändig gemalt haben sollte, galt als unwahrscheinlich - also wurden sie auch nicht öffentlich gezeigt.
Unklar war auch die Identität der Dargestellten. Manche glaubten, gleich auf zwei Bildern des Malers Schwägerin Johanna van Gogh zu erkennen, die vermutlich von einem anderen Künstler porträtiert worden sei. Aus ihrem Besitz, so die bisherige Erklärung, seien die Bilder in die Familie van Goghs und später ins Museum gekommen. Erst als sich Kustos Louis van Tilborgh für den neuen Bestandskatalog des Hauses mit van Goghs Pariser Gemälden befasste, untersuchte er auch die Porträts - und fand Erstaunliches heraus: Bei allen dreien stimmen Leinwand, Farbe und Keilrahmen mit echten Van-Gogh-Gemälden überein. Dass der Maler - vor allem in seinen Pariser Jahren - gern experimentierte, ist bekannt. Typische van Goghs gibt es aus dieser Zeit kaum.
Den drei Frauenbildern - in der Presse war oft nur von zweien die Rede - widmet das Museum bis September 2009 eine Studioausstellung.
Geklärt ist nun auch die Identität einer Frau: Die im Profil gemalte Dame ist die Pariser Cafébesitzerin Agostina Segatori, mit der van Gogh eine Affäre hatte.
Internet: www3.vangoghmuseum.nl
Bildunterschrift:
Von van Gogh gemalt: Bildnis der Agostina Segatori (links) von 1887 sowie zwei Frauenporträts (beide 1886)
