Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 109-110

Richtig sexy ist nur die Museumsinsel

Von Adrienne Braun

Sponsorengelder: Finanzkrise macht auch deutschen Museen zu schaffen

AKTUELLES AUS DER WELT DER KUNST

Die Frankfurter hat es besonders getroffen: Die Finanzkrise hat hier nicht nur Banken und Börsen, sondern auch die Museen erwischt. Die Schirn-Kunsthalle und das Städel-Museum wurden im fünfstelligen Bereich von Lehman Brothers unterstützt. Nach - dem die Bank Insolvenz anmelden musste, werde der Kampf um Sponsoren noch härter, sagt Museumsdirektor Max Hollein. Am Haus der Kunst in München regt man sich dagegen schon gar nicht mehr auf. Krisen sind längst an der Tagesordnung, meint der kaufmännische Leiter Marco Matuschka, wobei auch er feststellen musste, dass die Unternehmen seit dem Crash zurückhaltend reagieren.

Deshalb lässt er die Akquise jetzt erst einmal ruhen. In einem halben Jahr, so Matuschka, könne man es dann wieder versuchen.

Während amerikanische Museen bereits angekündigt haben, Personal zu entlassen, geht es in den deutschen Museen zwar noch nicht ans Eingemachte, aber sie müssen noch intensiver darüber nachdenken, wo sich Geld abschöpfen lässt. Das Kölner Museum Ludwig hat deshalb vor knapp zwei Jahren die Abteilung Fundraising installiert. Auch in der Staatsgalerie Stuttgart ist inzwischen ein Kollege dafür abgestellt, neue Finanzierungskonzepte und Geldgeber zu finden.

Die Finanzkrise trifft vor allem die Häuser, die ihre Sponsoren nicht langfristig an sich gebunden haben. Die Hamburger Kunsthalle hat zwar verlässliche Partner, han gelt sich aber wie die meisten von Projekt zu Projekt. "Wir können noch nicht abschätzen, wie sich die Finanzkrise langfristig auswirkt", sagt die Sprecherin Martina Gschwilm.

Das erfährt man auch von den Banken nicht: Bei der Landesbank Baden-Württemberg, die die Staatsgalerie Stuttgart und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe seit Jahren bei Projekten unter stützt, gibt es bisher keine Beschlüsse, sich zurückzuziehen.

Aber es gibt auch kein Aussage darüber, ob das auch künftig so bleiben wird. Klaus Winker, Sprecher der Deutschen Bank, hat dagegen bereits öffentlich darauf hingewiesen: Spendengelder "atmen mit der Geschäftsentwicklung".

Anette Müller, die neue Fundraiserin am Museum Ludwig, ist entspannt. Sie hat bereits einen "Premiumpartner" unter Vertrag:

Die RheinEnergieAG hat sich für drei Jahre verpflichtet und gibt jährlich 150 000 Euro. Bei der "Klassikpartnerschaft" kann man kleinere "Packages" erwerben, wie Müller es nennt, schon für 10 000 Euro bekommen die Mitarbeiter des Sponsors kostenlosen Eintritt, oder es gibt Kuratorenführungen.

"Uns geht es gut", sagt Müller.

Man muss sich eben etwas einfallen lassen. Oder sexy sein, wie die Berliner Museumsinsel. Sie genießt den Luxus, von einem Kuratorium unterstützt zu werden.

Gleich 15 Unternehmen - darunter E.ON, die Deutsche Bank, Allianz und die Privatbank Sal.

Oppenheim - haben ihre Unterstützung für zehn Jahre zugesagt.

Wenn das Kuratorium tagt, kommen die Vorstände persönlich angereist. Da überlegt man es sich sehr gut, ob man aus solch illustrem Kreis aussteigt - und damit signalisiert, dass man es sich nicht mehr leisten kann.

Klar ist: Unternehmen sind jetzt äußerst wählerisch. "Man muss den passenden Sponsor zum passenden Produkt finden", erklärt Gschwilm von der Hamburger Kunsthalle. Der eine finanziert gern Vortragsreihen, der andere den Ankauf von Werken regionaler Künstler. Doch Marco Matuschka vom Müncher Haus der Kunst macht neben den Folgen des Börsencrashs auch noch eine ganz andere Entwicklung Sorgen:

Unternehmen würden immer häufiger ihr Geld nicht in fremde, sondern in eigene kulturelle Projekte stecken. "So wie BWM in der neuen BMW-Welt nun selbst Kulturveranstaltungen macht."

Bildunterschrift:

In den Strudel der Finanzkrise sind auch deutsche Museen geraten (Marina Apollonios "Raum zur kinetischen Aktivierung", 2007 in der Schirn, Frankfurt)