Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 111

Neue Documenta-Chefin

Von Ute Diehl

Entscheidung: Carolyn Christov-Bakargiev wurde berufen

Die Documenta 13 im Jahr 2012 wird von einer Frau geleitet:

Carolyn Christov-Bakargiev heißt die Auserwählte der Kasseler Findungskommission.

Die 51-jährige Amerikanerin ist Chefkuratorin des Castello di Rivoli, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Turin.

Für Christov-Bakargiev ist alles zeitgenössisch: "Ich bin gegen diese künstliche Trennung von dem, was gestern war und dem, was heute ist und gegen diese ständige Suche nach neuen Produkten für den Markt." So vereinte sie in Turin für ihre Ausstellung "Gesichter in der Menge" (2005) Werke von Edouard Manet bis Steve McQueen. Carolyn Christov-Bakargiev, ihren etwas komplizierten Namen verdankt sie ihrem bulgarischen Vater, stammt aus New Jersey. Sie studierte Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte in Pisa. Ihr Mann und ihre beiden Töchter leben in Rom.

Sie selbst pendelt zwischen Turin, Rom und New York, wo sie am P.S.1 als Kuratorin gearbeitet und etliche Bücher über zeitgenössische Kunst veröffentlicht hat. Zu viele Kunstausstellungen gäbe es heute, sagt sie. Doch hält sie das nicht davon ab, selbst im Ausstellungsbetrieb eifrig mitzumischen.

Sie hat 2005/06 die erste Turin- Triennale zusammen mit Francesco Bonami auf die Beine gestellt und 2008 die 16. Kunstbiennale in Sydney geleitet. Dabei sei die "Auswahl der Künstler immer ein organischer Prozess", erklärt Christov-Bakargiev. "Mit vielen von ihnen, etwa Pierre Huyghe, Janet Cardiff und auch William Kentridge, verbindet mich eine lange Freundschaft. Ich habe viel über sie geschrieben und mache immer wieder Ausstellungen mit ihnen. Das ist kennzeichnend für meine kuratorische Arbeit." Durchaus möglich, dass einige ihrer Künsterfreunde auch 2012 bei der Documenta 13 im nordhessischen Kassel vertreten sein werden.

Bildunterschrift:

Turin, New York, Rom - und jetzt Kassel: Carolyn Christov-Bakargiev