Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 111

Gelbe Kuh geht auf Reisen

Von Birgit Sonna

Neu- und Umbau: Lenbachhaus für drei Jahre geschlossen

Das Lenbachhaus platzte aus allen Nähten. 200 000 Besucher pro Jahr fordern ihren Tribut.

Die Eingangshalle der historistischen Villa in München ist zu klein. Dies und Brandschutzbestimmungen machen einen Neubau erforderlich, der den tristen Erweiterungsbau von 1972 ersetzt.

Der britische Architekt Sir Norman Foster wurde mit dem 56 Millionen teuren Neu- und Umbau des Museums beauftragt.

Von März an ist nun die berühmte Sammlung des Blauen Reiters mindestens drei Jahre lang nicht in ihren angestammten Räumen zu sehen. art-Korrespondentin sprach mit Direktor Helmut Friedel über die Interimszeit und über Fosters Architekturentwürfe: art: Was sagen Sie zu Fans des Blauen Reiters, die Franz Marcs "Gelbe Kuh" sehen wollen, aber bald vor den verschlossenen Türen ihres Hauses stehen?

Friedel: Die schicken wir dorthin, wo die Kuh gerade grast.

Das wird nicht das Depot sein?

Sicher nicht! Wir dachten, dass es wenig sinnvoll ist, die Sammlung des Blauen Reiters innerhalb Münchens in einem anderen Kontext zu zeigen. Dafür ist die Identifikation der Sammlung mit dem Lenbachhaus zu stark. Eine Auswahl von Werken des Blauen Reiters werden wir während des Umbaus auf Tournee schicken.

Gibt es schon konkrete Ziele?

Der erste Testlauf wird im Museum Frieder Burda in Baden-Baden sein. So können wir die logistische Vorbereitung bei einer nicht so entfernt liegenden Station unkompliziert einmal durchdeklinieren.

Danach wird die Sammlung außerhalb Europas gezeigt werden. Es gibt verschiedene Interessenten, aber die Verhandlungen laufen noch. Zudem wollen wir auch einige Bilder oder Werkkomplexe an Museen verleihen.

Nicht des Geldes wegen, sondern wir erwarten uns später entsprechend Gegenleihgaben für Wechselausstellungen.

Welche Hauptvorzüge hat der Neubau von Foster + Partner?

Einzelbesucher, Liebhaber des Hauses können nach wie vor den alten Eingang der Villa durch den Garten benutzen. Gruppen sollen aber über das große Entree im Neubau kommen. Rund um die Eingangshalle ordnet sich dann alles an: der Vortragssaal, Bibliothekslesesaal, Museumsshop, die Zugänge zu den verschiedenen Sammlungsbereichen, die Bar und das Restaurant. Die Ausstellungsräume können durch den Neubau auf den überfälligen Standard der Klimatisierung und Sicherungstechnik gebracht werden.

Mein Wunsch ist es, in der Sammlung einige spektakuläre Künstlerräume aufzubauen, etwa von Richard Serra, Gerhard Richter und Olafur Eliasson.

Internet: www.lenbachhaus.de

Bildunterschrift:

Norman Fosters geplanter Erweiterungsbau (links, Simulation) für das Münchner Lenbachhaus

Helmut Friedel vor Marc-Gemälde