Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 85

Selbstdarstellung im Bonsaiformat

Von Almuth Spiegler

30 österreichische Museen präsentieren sich im Lentos-Kunstmuseum

LINZ: BEST OF AUSTRIA

Natürlich sind ein paar Sachen dabei, von denen man sich wünscht, man hätte sie nicht bekommen", gesteht Stella Rollig, Direktorin des Lentos- Kunstmuseums. Welche das sind, werde sie jetzt aber sicher nicht verraten, schließlich ist sie eine höfliche Gastgeberin und sozusagen selber schuld. Sie wollte bei ihrem Beitrag zum Programm der Europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009 das Heft "des autoritären Kunsthistorikers" einmal abgeben und bat die wichtigsten österreichischen Museen und Firmensammlungen um je drei repräsentable Leihgaben. Ursprünglich, so Rollig, stammte diese Idee von Linz-09-Intendant Martin Heller. "Best of Austria" heißt die kunterbunte Sammlungsausstellung auch noch reißerisch wie eine Hitparade. Nach welchen Kriterien wählen die einzelnen Institutionen die drei "besten Stücke" aus, um sich zu repräsentieren? Nach den persönlichen Vorlieben des Direktors? Der Versicherungsliste, also nach dem finanziellen Wert? Nach dem ideologischen?

Oder gar nach einem eigens erdachten Konzept wie das Salzburger Museum der Moderne, das eine Art Miniausstellung zum Thema Volumen schickt und dazu eine Skulptur von Wotruba-Schüler Joannis Avramidis, ein Diptychon des jungen Malers Christian Hutzinger und eine Fotoserie von Superstar Erwin Wurm ausgewählt hat? Rund 30 derartige Bonsai- Selbstdarstellungen darf Rollig jetzt im großen Saal ihres Hauses so miteinander arrangieren, dass sie überraschende Bezüge zueinander aufweisen oder auch einfach nur gut nebeneinander aussehen - vom Kunsthistorischen Museum Wien, dem Filmmuseum, dem Belvedere bis zu den Firmensammlungen der Energielieferanten EVN und Verbund oder den Privatkollektionen von Francesca von Habsburg und Karlheinz Essl.

Einfach rund 100 "Lieblingswerke", die einmal keinen festgelegten Kanon präsentieren, sondern denen in diesem Schatzhaufen gar nichts anderes übrig bleibt, als erst einmal ganz für sich allein zu stehen - und dann erst für ihr Institut. Was wohl hängen bleiben wird von dieser zufälligen Zusammenstellung, die vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht? "Es ist kein intellektuelles Konzept", räumt Rollig, die sonst in Linz selbst nicht ganz unangefochtene Konzeptkunst- Verfechterin, auf verwundertes Nachfragen ganz direkt ein. "Diese Aus stellung gibt nur im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs einen Sinn, da kann ich sie auch vertreten." Gab es eine Dreiergruppe, die sie wirklich über rascht hat? Ja, die Auswahl der Albertina.

Nicht, dass Stella Rollig unbedingt mit Dürers "Feldhasen" gerechnet hatte. Aber mit Holzschnitten von drei Zeitgenossen wie Franz Gertsch, Christiane Baumgartner und Anselm Kiefer nun auch wieder nicht.

Termin: 2. Januar bis 10. Mai 2009. Gefördert von OMV. Katalog: Verlag Bibliothek der Provinz, 35 Euro.

Internet: www.lentos.at

Bildunterschrift:

"Die Löwin - als Raubtier - ertarnt sich die begehrte Beute" (2004) von Deborah Sengl (Sammlung Essl)