Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 14
Was macht Künstlerpaare so besonders?
Von
INTERVIEW MIT KUNSTHISTORIKERIN RENATE BERGER
Das hat mit dem Klischee des einsamen, männlichen Genies zu tun. Frauen, die ihre Kreativität entfalten wollten, hatten es schwer, da sie bis ins frühe 20. Jahrhundert nicht studieren durften, teuren Privatunterricht nehmen mussten und künstlerisch nicht ernst genommen wurden.
Trotzdem gab es berühmte Paare ... ... deren Verhältnis oft von Konkurrenz und Hierarchie geprägt war. Man glaubt es kaum, aber gerade Boheme und Avantgarde waren oft antifeministisch eingestellt.
Künstlerinnen bekamen perfiderweise dann viel Lob, wenn sie ihre Arbeit zugunsten der ihres Mannes aufgaben - wie zum Beispiel Sonia Delaunay, die mit Kunsthandwerk die Familie ernährte. Max Beckmann machte Minna Tube ein Berufsverbot zur Heiratsbedingung, und Marianne von Werefkin hat ihre Karriere freiwillig der ihres Schülers Alexej von Jawlensky geopfert. Sie verloren dadurch wertvolle Jahre.
Warum haben die Frauen das mitgemacht?
Künstlerinnen schätzten ihre Arbeit oft geringer als die ihrer erfolgreicheren Männer und verlegten sich darauf, den Mann zu unterstützen.
Außerdem wurden Frauen, die als Künstlerinnen leben wollten, unterstellt, perverse, entartete, lesbische Wesen zu sein. Das war der empfindlichste Punkt, da soziale Reputation damals ungeheuer wichtig war.
Gab es Ausnahmen - also Männer, die ihre Frauen förderten?
Ja, aber nur sehr wenige. Otto Modersohn unterstützte Paula Modersohn- Becker emotional und finanziell, selbst nachdem sie ihn verlassen hatte. Das sorgte bei seinen Kollegen in Worpswede für Kopfschütteln, was ihn aber glücklicherweise nicht kümmerte.
Ausstellung: "Künstlerpaare - Liebe, Kunst und Leidenschaft", bis 8. Februar 2009, Wallraf-Richartz-Museum, Köln. Danach: 21. Februar bis 1. Juni, Gemeentemuseum, Den Haag. Mehr Informationen auf: www.art-magazin.de/Kuenstlerpaare
Bildunterschrift:
Renate Berger lehrt in Berlin
Warwara Stepanowa und Alexander Rodtschenko (links), Frida Kahlo und Diego Rivera (rechts oben), Sonia und Robert Delaunay (rechts unten)
