Ausgabe: 01 / 2009
Seite: 87
Spitze, rotznasige Gesellschaftskritik
Von Petra Bosetti
Ausstellungen zum 200. Geburtstag des französischen Karikaturisten
SCHLESWIG/KÖLN: DAUMIER
Als Hinterbänkler würde man Jean- Marie Harlé heute wohl bezeichnen - auf jeden Fall war der "Harlé père" genannte Lokalparlamentarier von 1816 bis zu seinem Tod 1838 in Calais im Amt. Die einzigen Eigenschaften, die ihm der Künstler und Karikaturist Honoré Daumier (1808 bis 1879) zubilligte, war:
"eines der bemerkenswertesten Fossile" sowie "gichtig, dahinsiechend, asthmatisch, rheumatisch, rotznäsig" zu sein. Die Porträtbüste, die Daumier 1832/33 von "Harlé père" fertigte, ist denn auch alles andere als schmeichelhaft: Die Büste ist der eindrucksvolle Beweis dafür, dass es für die Karikatur nicht unbedingt die spitze Feder braucht. Dass Daumier aber auch mit dem Zeichenstift meisterlich umzugehen verstand, belegt eine Ausstellung, die noch im Schloss Gottorf in Schleswig und dann im Kölner Käthe- Kollwitz-Museum zu sehen ist. 4000 Blätter hat Daumier zeitlebens gefertigt, die in Tages- und Wochenzeitschriften verbreitet wurden - bissige, ironische, stets pointierte Kommentare zu Gesellschaft und Politik.
Termine: Schleswig, bis 4. Januar; Köln, 22. Januar bis 5. April 2009. Katalog: Braus Verlag, 9,80 Euro.
Internet: www.schloss-gottorf.de, www.kollwitz.de
Weitere Abbildungen zur Ausstellung finden Sie unter: www.art-magazin.de/daumier
Bildunterschrift:
"Harlé père" (1832/33, Höhe 13 cm)
