Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 122

Warhol oder Fake?

Von

John Chamberlain, 81, amerikanischer Assemblagekünstler und Bildhauer, wird von der Vergangenheit eingeholt. Chamberlain besaß eine Siebdruckserie von Andy Warhol, auf dem sein eigenes Konterfei 315 Mal rasterförmig abgebildet war ("315 Johns").

Im Jahr 2000 hat er sie - mit Zertifi kat des "Andy Warhol Art Authentication Board" - an einen unbekannten Sammler für, so die "New York Times", über drei Millionen Dollar verkauft. Jetzt hat Gerard Malanga, Warhol-Vertrauter, vor dem Brooklyn State Court einen Prozess gegen Chamberlain angestrengt. Denn er reklamierte:

Erstens hätte Chamberlain das Kunstwerk überhaupt nicht verkaufen dürfen. Zweitens: schon gar nicht für einen solchen horrenden Preis, weil es kein echter Warhol sei, und drittens:

Warhol habe - ungeachtet der Tatsache, dass die "315 Johns" in seinem Werkverzeichnis auftauchen - nicht mal von der Existenz der Arbeiten gewusst. Schützenhilfe erhielt Malanga von Chamberlains Ex-Gattin Lorraine: Die legte eine eidesstattliche Erklärung ab, in der sie behauptet, Chamberlain habe die unsignierten Siebdrucke stets als "Fälschung" oder "Schwindel" bezeichnet, weshalb sie sie ihm nach der Scheidung überlassen hatte.

Bildunterschrift:

Streitobjekt: Siebdruck mit 315 Mini-Porträts von John Chamberlain (oben), vergrößerter Ausschnitt (unten)