Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 82
Künstler als Amateurforscher
Von Petra Bosetti
Eine Ausstellung im Kunstverein und im Roemer- und Pelizaeus-Museum
HILDESHEIM: OBSERVING BEAST, TIME, EVOLUTION
Dürfen wir in die Evolution eingreifen?
Was ist Leben? Wie lange reichen unsere fossilen Ressourcen?
Was ist Zeit? Wer verantwortet den Klimawandel?
Diese teils uralten Menschheitsfragen, teils aktuellen Problemstellungen wird der Hildesheimer Kunstverein auch nicht schlüssig beantworten oder lösen können, wohl aber zeigen, wie sich Künstler mit solchen Dingen auseinandersetzen.
Unter dem etwas sperrigen Titel "Observing beast, time, evolution" zeigt der Kunstverein im eigenen Gebäude und im Roemer- und Pelizaeus-Museum "Kunst zwischen Forschung und Naturwissenschaft" mit Beiträgen von gut einem Dutzend Künstlern.
Um in die vier Ausstellungsräume im Museum zu gelangen, muss der Besucher durch die Dauerausstellung "Im Wandel der Zeit. Die Erde und ihre Geschichte" gehen und wird durch Fossilien, Mineralien und Knochenfunde unwillkürlich auf das Thema Evolution eingestimmt. Mit einem ganz besonderen Mineral befasst sich dann die Irin Katie Holten: Steine, die Wissenschaftler mit aus der Atmosphäre gefilterten Kohlendioxyd produziert haben, stellt sie von ihr angefertigte Repliken aus Ton gegenüber. Der Amerikaner Mark Dion zeigt Tiere und Pflanzen aus Kunststoff oder Pappmaché, die er nach Präparaten aus Naturhistorischen Museen gefertigt hat.
Im Außenraum agieren die Österreicher Lois und Franziska Weinberger:
Sie haben bereits im Frühsommer ihre "mobilen Gärten" - mit Erde gefüllte Polyestertaschen - aufgestellt, die sich durch Pflanzensamen aus der Luft mit unkontrolliertem Pflanzenwuchs füllen werden.
Die Ausstellungskuratorinnen Elke Falat und Sabine Mila Kunz beschreiben die Schau wie folgt: "Die Künstler schlüpfen in die Rolle von Amateurforschern", sie "inszenieren eigene Expeditionen an die Ränder der Erde mit der Verve eines Forschers oder archivieren Bäume, Unkräuter und Insekten im städtischen Raum". Am weitesten wagte sich dabei die Französin Ariane Michel vor: Sie beobachtete mit der Videokamera in Grönland den leichten Schlaf der Walrosse, die sich jedoch durch ein bedrohlich herannahendes Forschungsschiff nicht stören ließen
Termin: 7. September bis 2. November. Gefördert vom Land Niedersachsen, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Friedrich-Weinhagen-Stiftung.
Katalog: Kerber Verlag, 20 Euro. Internet: www. kunstverein-hildesheim.de und www.rpmuseum.de
Bildunterschrift:
Leichter Schlaf der Walrosse: Ariane Michel beobachtete die Kolosse in Grönland mit der Kamera
