Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 120-121

Der schweifende Blick

Von

Schriftsteller sehen anders: Essays von Klaus Hoffer

Warum deckt John Baldess a ri auf Fotos die Gesichter mit bunten Kreisen zu? Damit sie uns nicht davon ablenken, den unauffälligeren Rest des Bildes anzuschauen. Der österreichische Schriftsteller Klaus Hoffer zeigt auf, wie das funktio niert, und bleibt dabei zugleich skeptisch.

Denn indem wir etwas verdecken, wecken wir erst recht die Neugier darauf.

Diese doppelte Strategie ist nur eines von vielen Verfahren, unsere Aufmerksamkeit zu lenken, die Hoffer in seinem neuen Essayband erläutert. Wie wir sehen, welche Muster unsere Kultur entwickelt hat, wie wir uns damit orientieren und verlaufen, zeigt der 1942 geborene Grazer von der Perspek tive der Renaissance bis zu zeitgenössischer Ma lerei und Skulptur. Am meisten fasziniert den sowohl literarisch als auch philosophisch be schlagenen Autor der schweifende Blick, der sich im Halbbewussten von allen Regeln freizumachen versteht. G. M.

Klaus Hoffer: Die Nähe des Fremden.

Verlag Droschl. 224 S., 43 Abb., 24 Euro

Bildunterschrift:

Die ungestellte urbane Szenerie der Metropolen fasziniert Beat Streuli: Einzelne Menschen, die sich selbstvergessen durch den Alltag bewegen, löst der Schweizer Fotokünstler mit dem Teleobjektiv für einen Augenblick aus der anonymen Menge heraus. Ein Bildband zeigt nun seine neuen Arbeiten, die in den Straßen von Brüssel entstanden sind.

Beat Streuli: BXL. JRP/ Ringier Kunstverlag. 168 S., 120 Abb., 40 Euro. Ausstellung: bis 19. Oktober, Musée des Arts Contemporains - Grand-Hornu, Belgien