Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 114
Voll ätzend
Von Claudia Bodin
New York: Im Blog "How's My Dealing" kann die Kunstszene Dampf ablassen
Eine komplett hohle Person", die nur an "Geld, Status und materiellen Dingen" interessiert ist, so beschreibt ein unbekannter Künstler die gefragte New Yorker Kunstberaterin Kim Heirston.
Denn wer über die Großen und Kleinen der Kunstszene mal so richtig Dampf ablassen will, kann das jetzt tun - in aller Öffentlichkeit und im Schutze der Anonymität des Internets. "Bitte teilt eure positiven und negativen Erfahrun gen mit uns", hatte ein ebenfalls anonymer New Yorker Künstler seine Kollegen erstmals im November 2007 übers Netz aufgerufen.
Seitdem wächst der Blog "How's My Dealing" stetig. Künstler, aber auch zahlreiche frustrierte Galerieangestellte lassen sich hier unverblümt über Galeristen, Kritiker und Kuratoren aus. Ziel des Projekts sei es, so sagt der Macher, der unter dem Namen "Buck Naked" ("Splitterfasernackt") agiert, die ganze Branche kräftig "durchzuschütteln".
"Ich kenne viele Künst ler, die nicht bezahlt werden, ihre Arbeiten niemals zurückbekommen oder gar nicht erfahren, an wen sie überhaupt verkauft haben." So ätzt ein Künstler im Netz über die in Chelsea ansässige Galeristin Elizabeth Dee, die ihn angeblich zwei Jahre auf das Geld für eine verkaufte Skulptur warten ließ, sie sei eine "emotional instabile" Person. "Scharfsinnig wie ein Hai" wird dagegen die New Yorker Galeristin Mary Boone charakterisiert.
Als netter Kerl gilt ein berühmter Deutscher in der New Yorker Kunstwelt, Klaus Biesenbach vom Museum of Modern Art: "Tu Klaus einen Gefallen, und er wird dir einen Gefallen tun", so das Urteil eines anonymen Schreibers.
Internet: http://howsmydealing. blogspot.com
