Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 113

Aufpolierte Karriere

Von Adrienne Braun

KOMMENTAR

Bescheidenheit ist eine Zier, in Karlsruhe aber fehlt's an ihr.

Für Peter Weibel, Vorstand des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie (ZKM), können Ausstellungen nicht aufwändig, Kataloge nicht dick genug sein. Dass der Österreicher dabei auch seine eigene Person gern mal ins Rampenlicht rückt, mag man verzeihen.

Eitelkeiten findet man in allen Chefetagen.

Nun hat Peter Weibel allerdings selbst den Beweis geliefert, dass es ihm vor allem um seinen persönlichen Ruhm geht - als Künstler. Denn Weibel, 1944 geboren, gehörte zu den Pionieren der Videokunst der sechziger und siebziger Jahre. Deshalb durften seine künstlerischen Arbeiten schon jetzt in kaum einer ZKM-Ausstellung fehlen. Ob es "Lichtkunst aus Kunstlicht" war oder "40 Jahre Videokunst" - der Kurator Peter Weibel gab immer auch dem Künstler Peter Weibel ein Forum. Das hatte einen Beigeschmack, ließ sich aber begründen.

Nicht so die neue "ZIP Digital Arts Edition", ein Gemeinschaftsprojekt des ZKM Karlsruhe, des internationalen Filmzen trums (iCinema Centre) in Sydney und der Universität Pittsburgh. Die erste DVD der dreiteiligen Reihe, die je ein bestimmtes Thema der digitalen Künste behandeln soll, ist soeben erschienen und widmet sich dem "Unvorstellbaren".

Unvorstellbar ist dabei vor allem eines: Drei der sechs "Kunstwerke" stammen von Peter Weibel.

Ohne ihm seine Me riten absprechen zu wollen, aber da missbraucht jemand seine Schaltstelle als Wissenschaftler und Kurator, um die eigene künstlerische Karriere zu frisieren.

Weibel ist angetreten mit dem Plädoyer, das ZKM in Karlsruhe für den künstlerischen Film zu öffnen - und spätestens jetzt weiß man, warum. Hier strickt einer an der eigenen Legende, poliert am persönlichen Nachruhm - und beschmutzt dabei das eigene Haus