Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 111

"Er wird gebaut - aber von mir!"

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Interview: Braunfels zu Plänen fürs Münchner Kunstareal

Die Stiftung der Pinakothek der Moderne hat einen Masterplan für das neue "Kunstareal München" vorgelegt. Architekt Gunter Henn sieht drei Pavillons (für Kasse, Wechselausstellungen und Graphische Sammlung) auf der Fläche vor der Pinakothek der Moderne vor, die der Pinakotheken- Architekt Stephan Braunfels als Blickachse zwischen Alter Pinakothek und Türkentor frei ge - lassen hatte. Ein Vorstoß, der um so mehr erstaunt, als Architekt Stephan Braunfels für den ge samten Bebauungsplan des Geländes verantwort lich zeich net. art-Korrespondentin Birgit Sonna traf den Architekten, 58, zu ei nem Gespräch. art: Herr Braunfels, es gibt viele Ungereimtheiten, was die Zukunft des "Kunstareals" betrifft.

Braunfels: Alles ist ungereimt! Die Pinakothek der Moderne hat mich in München zur Persona non grata gemacht. Obwohl das Museum eines der beliebtesten Gebäude des ganzen 20. Jahrhunderts in der Stadt ist, bekam ich hier keine Aufträge mehr und wurde auch zu keinen Wettbewerben mehr eingeladen.

Was sagen Sie denn zu dem neuen Masterplan?

Es verbietet sich sowohl aus historischen als auch aus stadtbaukünstlerischen Gründen, die Freifläche zwischen dem Türkentor und der Alten Pinakothek zu bebauen.

Wer so etwas vorhat, disqualifi ziert sich selbst. Abgesehen davon ist diese Freifläche Teil meines gültigen Bebauungsplans.

1992 habe ich den ersten Preis für die Gestaltung des gesamten Areals des Tür - kenkasernengelän des, nicht nur für den ersten Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne gewonnen. Ein essenzieller Punkt dieses Masterplans war die Freihaltung der zentralen Fläche. In der Sichtachse ist genau das vorgesehen, was jetzt von Henn reklamiert wird: eine große Piazza als Zentrum der Pinakothek.

Die Piazza wurde bis heute nicht realisiert, weil kein Geld dafür da war.

Der Plan von Henn reagiert ja auch auf die ungelöste Eingangssituation in der Pinakothek. Besucher, die vom Altstadtring kommen, sieht man oft verzweifelt den Hintereingang suchen.

Mein Gesamtkonzept sah eine diagonale Anbindung zur Innenstadt vor, durch die man die Pinakotheken fußläufig hätte erreichen können. An der Ecke zum Alt stadtring war ein großes Tor ge plant, das über eine Diagonale in das gesamte Museumsareal und nicht nur zur Pinakothek der Moderne führen sollte.

Eines der größten Mankos sind die völlig unzureichenden Wechsel ausstellungsräume. Warum hat man daran bei der Planung nicht gedacht?

Das Merkwürdige war, dass bei dem Wettbewerb 1992 nur zwei 500 Quadratmeter große Räume vorgesehen waren. Es hieß damals ausdrücklich: "Wir machen nur kleine ergänzende Ausstellungen, die Wechselausstellungen finden im Haus der Kunst statt." Zukünftige Wechselausstellungen sollten in den zweiten Bauabschnitt kommen, wie es auch von mir auf rund 3000 Quadratmetern konzipiert ist. Was Henn innerhalb seiner drei Pavillons an Fläche vorgeschlagen hat, ist viel zu klein. Das ist eine richtige Mogelpackung!

Glauben Sie, dass sich der zweite Bauabschnitt endlos weiter hinausschiebt?

Wann er gebaut wird, weiß ich nicht, aber er wird von mir gebaut.

Das ist wettbewerbsrechtlich geschützt.

Bildunterschrift:

Modell vom Henn-Entwurf mit drei Kuben vor der Pinakothek der Moderne

Architekt Stephan Braunfels