Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 110-111

Ende einer unseligen Liaison

Von Markus Clauer

Arp-Museum: Land übernimmt Trägerschaft ohne Arp-Verein

Eine Sondersitzung des Kulturausschusses war im Mainzer Landtag anberaumt - mitten in der Sommerpause des Parlaments.

Der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann- Göttig (SPD) hätte sich sicher lieber erholt, doch nun musste er Rede und Antwort stehen.

Das Ende der Liaison zwischen dem Land und dem Verein Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber- Arp war zu begrübeln. Rheinland- Pfalz und der Arp-Verein ge hen in Zukunft getrennte Wege, was das als gemeinsame Sache vereinbarte Arp-Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen betrifft.

Eine zwischen Land und Arp-Verein geschlossene, im November 2007 gekündigte Rahmenvereinbarung (art 2/2008) ist "einvernehmlich aufgehoben". Das Sorgerecht für das Arp-Museum hat jetzt die neu gegründete "Landesstiftung Arp-Museum Bahnhof Rolandseck". Der Nachfolger des zum 31. Dezember schei denden Direktors Klaus Gallwitz, 77, wurde Anfang August auch bestimmt:

Oliver Kornhoff, 39, zur Zeit stell vertretender Lei ter der Städtischen Galerie in Bietigheim- Bissingen. Der Arp-Verein zieht mit seinen dem Museum versprochenen Leihgaben im Wert von 30 Millionen Euro unbehelligt weiter.

Schadenersatz, wie von Kulturstaatssekretär Hof mann-Göttig für die entgangenen Leihgaben gefordert, wird der Verein nicht zahlen. Was macht der Verein jetzt mit seinen Arp-Werken? Verkaufen?

Ein eigenes Museum bauen?

An die Ber liner Nationalgalerie weiterreichen? Peter Raue, Ex-Vorsitzender des Fördervereins der Nationalgalerie, war als Anwalt des Arp-Vereins treibende Kraft bei der Trennung vom Land. Jetzt sagte er: "Mit dem Schatz, den wir hüten, können wir umgehen, wie wir wol len. Es gibt vie le Angebote." Ob Raue weiß, was dem Verein an Arp- Werken überhaupt gehört? Beim Land Rheinland-Pfalz hat man nie eine entsprechende Inventarliste einsehen dürfen.

Die rund 400 Werke von Hans Arp (1886 bis 1966) und Sophie Taeuber-Arp (1889 bis 1943), die das Land besitzt, zeigt das Arp- Museum noch bis 28. September in der Ausstellung "Licht auf Arp". Dabei sind auch umstrittene postume Güsse, mit deren Originalitätsstatus sich bald ein Expertensymposium beschäftigen wird. Doch wie soll das Haus in Remagen darüber hinaus bestückt werden? "Wir wissen in etwa, wo sich Werke von Arp befinden", orakelte Hofmann-Göttig im Kulturausschuss und brachte die Arp-Stiftungen in Frankreich und der Schweiz ins Spiel. Zudem plauderte er aus, dass Gallwitz mit einem ungenannten Leihgeber verhandelt, der dem Museum Leihgaben mit zweistelligen Millionenwert geben will - allerdings keine Arp-Werke. Vielmehr soll mit der Sammlung die Geschichte der Kunst "über mehrere Jahrhunderte" abgedeckt werden.

"Ein reines Arp-Museum war nie geplant", sagt Hofmann-Göttig und kündigt eine "auskömmliche" Finanzierung des Hauses an. Die Erhöhung der jährlichen Landes zuschüsse von 1,78 Millionen Eu ro auf das Doppelte, die Museumsdirektor Gallwitz gegenüber Journalisten preisgab, wird aber offiziell dementiert - schon weil eine Landesregierung nicht über den Haushalt entscheiden kann.

Bildunterschrift:

Arp-Museum, Kunst von Anselm Kiefer.

Oben: Gallwitz, Hofmann-Göttig