Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 117
Direktverkauf bei Damien Hirst
Von Hans Pietsch
Auktion: Der Engländer lässt Werke bei Sotheby's versteigern
Die Welt verändert sich, und ich muss sehen, wohin mich dieser Weg führt", kommentiert Damien Hirst seine Entscheidung, ein ungeschriebenes Gesetz des Kunst mark ts zu brechen: Großbritanniens erfolgreichster Künstler hat sich mit Sotheby's verbündet und die Schau "Beautiful Inside My Head Forever" mit nagelneuen Plas tiken, Vitrinen und Gemälden zusammengestellt, die ab dem 5. September in den Räumen des Auktionshauses in der Londoner New Bond Street gezeigt und anschließend an zwei Tagen versteigert wird. Dies ist ein Tabubruch, denn bisher galt, dass sich die Galerien des Primärmarkts annehmen, während sich die Auktionshäuser auf den Sekundärmarkt beschränken. Doch um solche Tradition schert Hirst sich nicht: Im Mittelpunkt seines zur Verstei gerung stehenden Werkkonvoluts steht die neue Tierplastik, "The Golden Calf" (2008) - ein "Goldenes Kalb" in Formaldehyd, mit goldenem Heiligenschein und vergoldeten Hufen und Hörnern. Schätzwert: acht bis zwölf Mil lionen Pfund (zehn bis 15 Mil lionen Euro).
Hirst hat mit Sotheby's seit einigen Jahren beste Beziehungen.
Nicht nur kauft er bevorzugt dort für seine eigene Sammlung mit dem schönen Titel "Murder Me"- zuletzt ein Selbstporträt von Francis Bacon für umgerechnet 21 Mil lionen Euro und eine Edelstahlplastik von Jeff Koons, für die er umgerechnet 3,7 Millionen Euro bezahlte. Er hat auch schon früher eigene, wenngleich ältere Sachen bei Sotheby's versteigern lassen. Allein die Auktion des Inventars seines pleite gegangenen Londoner Restaurants "Pharmacy" brachte ihm vor vier Jahren elf Millionen Pfund (rund 14 Millionen Euro) ein. Hirsts zwei wichtigsten Galeristen, die eigentlich Schaum vor dem Mund haben müssten, machen indes gute Miene zum bösen Spiel: "Von Damien erwarten wir immer das Unerwartete", ließ der New Yorker Larry Gagosian verlauten. "Er kann auf jeden Fall sicher sein, dass wir im Auktionssaal mitbieten werden." Und Jay Jopling von der Londoner White Cube stieß ins selbe Horn, auch wenn sich seine Erklärung etwas säuerlich anhört: "Unsere Ehe war nie eine traditionelle, und ich freue mich auf viele weitere Abenteuer." Die beiden Giganten des Markts werden also gegeneinander bieten, um einen ihrer Stars bei Laune zu halten.
Hirsts Vorstoß könnte sich als mehr als nur ein Experiment zum Ausloten des Terrains erweisen.
Es wird gemunkelt, Sotheby's habe schon Fühler zu einem anderen internationalen Star, dem Japaner Takashi Murakami, ausgestreckt.
Termin: Hirst-Auktion bei Sotheby's 15./16. September.
Internet: www.sothebys.com
Bildunterschrift:
Hirst mit seinem in Formaldehyd eingelegten "Goldenen Kalb"
