Ausgabe: 09 / 2008
Seite: 114
Kunst adelt Luxusgüter
Von Heinz Peter Schwerfel
Design: Kreative arbeiten für eine neureiche Käuferschicht
V orbei die Zeiten, als der Konz eptkünstler Daniel Buren für das Pariser Billigkaufhaus Tati eine kostenlose gestreifte Plastiktüte entwarf oder man Grafi- ken von Georg Baselitz bei der Kaufhauskette Strauss-Innovation kaufen konnte. Heute veredelt Gegenwartskunst Luxuskonsum, und nach Ausstellungsmäzenen wie Prada, Hugo Boss oder Cartier hat die französische Luxusindustrie Kunst als Partner für die kommerzielle Ehe entdeckt.
Hintergrund ist die Erkenntnis der Marketing-Experten, dass eine neureiche Käuferschicht von Jungmillionären vor allem aus Russland, Asien und den Vereinig ten Staaten zwischen Mode, Design und Kunst nicht mehr unterscheidet. Der New Yorker Mo deschöpfer Marc Jacobs, Kreativdirektor der französischen Marke Louis Vuitton, entwickelt ständig neue Initiativen, um seine Produkte von Gegenwartskünstlern adeln zu lassen. So entwarf jetzt der amerikanische Meister Richard Prince mit Jacobs eine ganze Kollektion von Handtaschen für Louis Vuitton, während Konzernchef Bernard Arnault weltweit von Experten Kunst für ein künftiges Sammlermuseum im Pariser Westen zusammentragen lässt. Chanel beauftragte Architektin Zaha Hadid, ein mobiles Museum zu entwerfen, das rund um den Globus Hommagen von Künstlern wie Sophie Calle bis Stephen Shore an Coco Chanels Stepphandtasche "2.55" zeigen wird. Die Champagnermarke Pom mery lockt ihre Kunden mit Gruppenausstellungen prominenter Künstler nach Reims, das Mode haus Hermès gab jetzt eine Tuch kol lektion mit Mustern des 1976 gestorbenen Abstraktionspioniers Josef Albers heraus.
Währenddessen verstärken die Pioniere ihr Engagement. Prada- Kreativchefin und Kunstsammlerin Miuccia Prada plant den Um zug ihrer Mailänder Stiftung, die seit 1993 Künstler von Louise Bourgeois über Francesco Vezzoli bis Nathalie Djurberg zeigt, in ein riesiges Lager areal im Süden von Mailand. Architekt Rem Koolhaas wird die Hallen von 1910 mit Neu bauten auf insgesamt 17 500 Qua dratmeter Aus stel lungsfläche erweitern. Die Textilfirma Hugo Boss versüßte ihrem im Februar 2008 aus dem Amt geschiedenen Vorstandsvorsitzenden Bruno Sälzer den Abschied, indem sie den seit 1996 ausgelobten und mit einer Einzelausstellung im New Yorker Guggenheim Museum verschönten Hugo Boss Prize für Gegenwartskunst von 50 000 auf 100 000 Dollar verdoppelte.
Und die Pariser Cartier-Stiftung residiert in einem von Jean Nouvel entworfe nen Bau und ist jetzt mit von ihm gestalteten Ständen auf Kunstmes sen von Basel und Miami vertreten.
Bildunterschrift:
Tasche von Richard Prince für Louis Vuitton, Hermès-Tuch mit Motiv von Josef Albers
Mobiles Museum für Chanel von Zaha Hadid (oben), Fondation Cartier von Jean Nouvel
