Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 80

Unaufdringlich, sensibel, mediterran

Von Birgit Sonna

Eine Ausstellung im Architekturmuseum zum 100. Geburtstag des Architekten

MÜNCHEN: SEP RUF

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard hatte für sein neues Tegernseer Ferienhaus dezidiert "etwas Architektonisches" und "nicht so ein Häuserl" gewünscht. Über einen Nachbarn lernte er 1951 einen der wichtigsten Architekten des Nachkriegsdeutschlands kennen: Sep Ruf, der gerade mit seinem Wohnhochhaus in der Münchner Theresienstraße ein schnörkelloses Paradebeispiel eines vorbildlichen Wiederaufbaus zerbombter Stadtquartiere geliefert hatte. Äußerst zäh zogen sich die Verhandlungen hin, bis in Gmund die Baugenehmigung für den schlichten Horizontalbau erteilt wurde. Als Erhard 1963 dann Bundeskanzler wurde, zog er Ruf für den Bau des sogenannten "Kanzlerbungalows" in Bonn heran. Jahrzehnte mussten vergehen, bis der generös verglaste, zweigliedrige Pavillon in seiner sachlichen Noblesse als architektonisches Kleinod und bundesrepublikanisches Leitbild einer menschlich offenen Demokratie akzeptiert wurde.

Am 9. März wäre Sep Ruf 100 Jahre alt geworden. Das Architekturmuseum der Technischen Universität in der Pinakothek der Moderne widmet ihm nun eine Ausstellung. Zu Recht würdigte Architekturhistoriker Nikolaus Pevsner gerade den von Ruf zusammen mit Egon Eiermann errichteten "Deutschen Pavillon" auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel als legitimes Erbe Mies van der Rohes.

In der bayerischen Landeshauptstadt haderte man lange mit dem 1982 gestorbenen Architekturprofessor. Der unaufdringliche Modernismus, die sensible Dezenz der Flachbauten, die Verschränkung von Architektur und Grünanlagen behagten in der auf monumentale Repräsentation geeichten Residenzstadt nicht sonderlich. Dabei glückte Sep Ruf zusammen mit seinem Kollegen Theo Pabst gerade im Verwaltungsbau der mediterranen Münchner "Neuen Maxburg" ein Schulterschluss mit der Vergangenheit. So erinnert die durch rhythmische Fensterbänder geglie derte Fassade an einen "Campanile" der Spätrenaissance.

Termin: 31. Juli bis 5. Oktober. Katalog:

Prestel Verlag, 30 Euro, im Buchhandel 49,95 Euro.

Internet: www.architekturmuseum.de

Bildunterschrift:

Oben: Kanzlerbungalow (1963/64) in Bonn. Unten: Weltausstellungspavillon 1958 in Brüssel