Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 85
Jerusalem und New York im Blick
Von Kito Nedo
Erste deutsche Werkschau des Reportagefotografen im Postfuhramt
BERLIN: LEONARD FREED
Zeit und Wahrheit waren für den New Yorker Dokumentarfotografen Leonard Freed (1929 bis 2006) die bestimmenden Elemente für das Wesen der Fotografie. Während der Zeitfaktor die Unwiederholbarkeit eines bestimmten Moments bedinge, mache die Wahrheitssuche den Fotografen erst zum Künstler: "Was wir in der Kunst suchen, ist Wahrheit. Meine Fotos zeigen das, was ich für meine Wahrheit halte, vermittelt durch meine Fähigkeit als Künstler." Seine Fähigkeit, diese Bilder zu finden, machten den Sohn einer jüdisch-orthodoxen Einwandererfamilie aus Osteuropa zu einem international geschätzten Reportagefotografen. Große Bekanntheit hatte er mit Bildreportagen über die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung erreicht. Daneben gehörte auch der Nahostkonflikt zu den Kernthemen seiner Arbeit. 1967 berichtete er zum Beispiel über den Sechs-Tage-Krieg ebenso wie über den Jom-Kippur-Krieg 1973. Mit genauem Blick verfolgte er in den siebziger Jahren die Arbeit der New Yorker Polizei, als die bankrotte Stadt in Chaos und Kriminalität zu versinken drohte. Mit der 230 Abzüge umfassenden Retrospektive im Berliner Postfuhramt wird das Werk Freeds zum ersten Mal in einer großen Ausstellung in Deutschland gewürdigt.
Termin: bis 5. Oktober 2008. Katalog: Steidl Verlag, 40 Euro. Internet: www.co-berlin.com
Bildunterschrift:
"Feiernde chassidische Juden. Jerusalem, 1972"
