Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 111

"Natur ist immer auch Kultur"

Von Kerstin Schweighfer

Triennale Apeldoorn: 100 Tage zum Thema Landschaft

KERSTIN SCHWEIGHÖFER

Etwas ins Schnaufen kommt man schon auf dem Weg zur Dachterrasse von Schloss Het Loo im niederländischen Apeldoorn.

Doch die Anstrengung wird auch belohnt: "Nirgends ist die Aussicht so schön!", schwärmt der geschäftsführende Direktor des Hauses, Johan Carel Bierens de Haan, und schaut stolz auf den Barockpark hinab. Vor kurzem erst ist die originalgetreue Rekonstruktion der Anlage abgeschlossen worden. Sie beruht auf einer Zeichnung des deutschen Architekten T. Henry Reetz von 1706, die auf heute unbekannten Wegen ins Archiv der 1. deutschen Panzerdivision in Han nover geraten und dort vor einigen Jahren wieder aufgetaucht war.

Als Leihgabe ist das Blatt nun ins Loo zurückgekehrt und zusammen mit 39 anderen Originalzeichnungen, mit Entwürfen, Fotos und Filmen von Europas "grünen Monumenten" im Ostflügel des Schlosses zu sehen. "Fantasielandschaften" heißt die große Ausstellung, die zu den Höhepunkten der Triennale von Apeldoorn gehört.

Diese internationale Kulturveranstaltung befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Landschaft:

Warum war sie für Künstler immer eine unerschöpfliche Inspirationsquelle? Wird Landschaft als Erbe ausreichend geschützt?

Welche Folgen haben Kli mawandel und Freizeitindustrie?

Inwieweit bieten Landschaften den Menschen im Zeitalter der Globalisierung Halt und Heimatgefühl?

Auf Fragen wie diese versucht die Landschaftstriennale 100 Tage lang Antworten zu finden, mit Debatten, Ausstellungen und Lesungen.

Der Standort Niederlande ist kein Zufall: "Zwei niederländische Worte haben weltweit Karriere gemacht", erklärt der Triennale- Intendant Bert van Meggelen.

"Das eine ist ‚Apartheid', das andere ‚Landschap'. Denn bei uns gibt es keine Natur im traditionellen Sinne, Natur ist immer auch Kultur." Es waren die Maler der Niederlande, die schon im 17.

Jahr hundert die Landschaft zum eigenständigen Bildgenre machten.

"Daher bezeichnen wir eine Landschaft als malerisch", erklärt Henk van Os, der ehemalige Direktor des Amsterdamer Rijksmuseums.

Für die Schau "Die Entdeckung der Niederlande" im Coda-Museum in Apeldoorn hat er 40 Schlüsselwerke der Landschaftsmalerei aus vier Jahrhunderten zusammengebracht.

Im Kröller-Müller-Museum in Otterloo, nicht weit von Apeldoorn, präsentieren derweil aktuelle Foto- und Videokünstler "Natur als Kunsttrick". Außer bei den Ausstellungen und Diskussionen können Triennalebesucher Landschaft auch mit allen Sinnen bei Exkursionen und Spaziergängen erleben, etwa im Nationalpark "Hoge Veluwe" oder im Schlosspark von Het Loo.

Termin: Triennale Apeldoorn, bis 28.

September. Internet: Programminformation unter www.triennale.nl

Bildunterschrift:

Der rekonstruierte Barockgarten von Schloss Het Loo im niederländischen Apeldoorn