Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 114
NACHGEFRAGT
Von
Stefan Riebel, 26, Leipziger Medienkünstler, bietet der Welt eine ungewöhnliche Dienstleistung an. Unter dem Label "ArtErasa" entsorgt er überflüssige Kunstwerke garantiert rückstandsfrei. art: Wie kamen Sie auf die Idee, Kunst auszulöschen?
Ganz pragmatisch: Es gibt unglaublich viele Kunsthochschulen und Kunstproduzenten, aber zu wenig Platz, um alles aufzuheben und zu zeigen. Kunstwerke sind austauschbare Massenprodukte geworden.
95 Prozent der Museumsbestände kommen nie an die Öffentlichkeit, und Sammler tätigen auch mal Fehlinvestitionen.
Ist ArtErasa ganz ernst zu nehmen?
Natürlich hat das Ganze spielerische und fiktive Aspekte: Die Mona Lisa zu schreddern, wäre eher utopisch. Aber Experten aus allen Sparten, vom Kunsthistoriker bis zum Juristen, beteiligen sich bereits an ArtErasa. Derzeit werden neben Hamburg und Leipzig neue Standorte eröffnet.
Was haben Sie denn schon beseitigt, und wie sind Ihre Tarife?
Zuletzt haben wir das Frühwerk eines Malerkollegen vernichtet, der das selbst nicht übers Herz brachte. Für materiell manifestierte Arbeiten werden bis fünf Euro pro Kubikzentimeter und für digitale Werke bis zu vier Euro pro Kilobyte berechnet.
Warum beziehen Sie Juristen in die Prozedur ein?
Vor der Entsorgung müssen natürlich alle Urheberrechtsfragen geklärt sein.
