Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 110

Keine Chance für Großkaliber

Von Almuth Spiegler

Nachfolge: Neue Chefin für Wiens Kunsthistorisches Museum

Applaus brandete auf unter den Mitarbeitern des Kunsthistorischen Museums (KHM), die sich neugierig in die Pressekonferenz gesetzt hatten, ratlos schauten die hausexternen Besucher.

Kaum einer von ihnen wusste, wer die Frau war, mit der Österreichs Kulturministerin Clau dia Schmied den Saal betrat, um sie strahlend als neue KHM-Direktorin vorzustellen. Erst im Dezember war Sabine Haag zur Leiterin der seit 2002 geschlossenen und dementsprechend abgeschiedenen KHM-Abteilung Kunstkammer aufgestiegen. Nun machte "die Frau, die niemand kannte" ("News"-Magazin) den "Sprung in die Weltliga", wurde plötzlich zur mächtigsten und mit 46 Jahren auch jüngsten Direktorin eines Bundesmuseums. Das kam wohl auch für sie selbst überraschend, hatte sie sich doch gar nicht um den Job beworben; vor wenigen Wochen hatte die Ministerin sie angesprochen.

Die monatelange Suche in ganz Europa, die kolportierten Gespräche mit Großkalibern wie Max Hollein (Frankfurt am Main), Martin Roth (Dresden) und Christoph Becker (Zürich) hätte man sich rückblickend also sparen können.

Die wohl auch finanziell bequemste Lösung lag in der Hausberufung:

Seit 18 Jahren ist Haag am KHM tätig, ebenso lang wie ihr derzeitiger Chef, Generaldirektor Wilfried Seipel, den sie zum Jahreswechsel ablösen wird.

Anders als ihm werden der Bregenzerin von Kollegen Teamfähigkeit und Bescheidenheit nachgesagt.

Diese Qualitäten dürfte sie brauchen, denn eine Aufstockung des Etats, die ein prominenterer Kandidat hätte vom Ministerium fordern können, wird es mit ihr vermutlich nicht geben.

Statt "zeitgeistiger" wolle sie "zeitgemäße" Ausstellungsformate suchen, hat Haag bereits angekündigt.

Das wird ihren zukünftigen Hauptkonkurrenten, den Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder, beruhigen. Auch er genießt (wieder) die Gunst der Ministerin, sein Vertrag wurde gerade bis 2014 verlängert.

Bildunterschrift:

Die neue KHM-Chefin Sabine Haag (links) mit Ministerin Claudia Schmied