Ausgabe: 08 / 2008
Seite: 10-11
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EINE LISTE Bombastische Ausstellungstitel 2008 1. Heldenzeiten Fotomuseum Winterthur 2. Der König wohnt in mir Kunstraum Innsbruck 3. Addicted to Paper Galerie Lelong, Zürich 4. Auf Leben und Tod Beck & Eggeling, Düsseldorf 5. Living Large Art Agents Gallery, Hamburg 6. Golden Art for Golden Times Flughafen Frankfurt am Main 7. True Colours Neuer Kunstverein Aschaffenburg 8. Schatten der Helden Fiebach & Minninger, Köln 9. Weltberühmt und heiß begehrt Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg 10. Erde zu Erde, Asche zu Asche Raab Arte, Mainz
Nichts ist für die Ewigkeit, schon gar nicht Makoto Azumas Blumen- und Pflanzenobjekte - über kurz oder lang verwelken sie.
"Aber als Kunst werden sie unsterblich", findet der 32-jährige japanische Pflanzenkünstler. Dazu wird sicher auch seine erste Museumsschau in Deutschland beitragen, die unter dem Titel Botanical Sculpture noch bis zum 3. August im NRW-Forum in Düsseldorf stattfindet. Dort kann man sich bezaubernd schöne Gebilde aus Bonsais in Eisblöcken und Blumen in Aquarien ansehen.
In Tokio betreibt Azuma an der Luxus-Shoppingmeile Ginza den "Jardin des Fleurs", eine Boutique mit eingehender Beratung.
Azuma entwirft für jeden Kunden individuelle Objekte, deren Preise bei etwa 400 Euro starten. www.stemandcookie.com
KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (15 )
Position, die: f., [lat. ›Stellung‹, ›Lage‹, zu ponere, positum ›setzen‹, ›stellen‹, ›legen‹], im Kunstbetr. übliche Bezeichnung für einen Künstler und dessen Werk. Sammelausstellungen zeigen nicht etwa "15 junge Maler", sondern "15 junge Positionen der Malerei". Ursprüngl. sollte mit dem Begriff der Debattencharakter zeitgen. Kunstproduktion betont werden: Statt des trad. "Werks" produziert der Künstler eine "Haltung", er bezieht P. Heute dient der Ausdruck v. a. der Bedeutungshuberei sowie der Einschüchterung des Kunstpublikums:
Bilder eines Malers darf man blöd finden, mit einer "Position" muss man sich jedoch beschäftigen, andernfalls gilt man als Barbar.
Sie sind Geschichte: Europas Grenzübergänge, an denen man früher auf dem Weg in den Sommerurlaub stundenlang im brütenden Auto im Stau stehen musste, bis unwirsche Beamte die Passiererlaubnis erteilten. Diesen Häuschen widmet der Becher- und Ruff-Schüler Josef Schulz seine Fotoserie "übergang_2", die jetzt im Verlag Robert Gessler erschienen ist. Es reize ihn, dass die Erfahrung des Grenzübertritts obsolet geworden sei, sagt Schulz. Er hat sich für eine streng dokumentarische Ästhetik entschieden.
Der aufgehellte Hintergrund lenkt die Konzentration auf die Bauwerke, die - ihres Zwecks beraubt - manchmal fast schon absurd wirken. So lösen sie im Nachhinein noch Verwunderung darüber aus, wie Staaten sich präsentierten.
Eine Woche lang lebte der niederländische Performance- Künstler Benjamin Verdonck in einem selbst gebauten Nest am 13. Stock des Rotterdamer Weena Tower. In der Behausung aus Weidenästen, Birkenzweigen, Heu und Polyurethan habe es sich recht gut aushalten lassen, schreibt er in seinem Tagebuch auf http://nest-rotterdam.nl. Geschmückt mit Federn blickte er von dort aufs urbane Geschehen herab, pfiff Liedchen oder beobachtete einfach nur die neugierigen Passanten. Auch wenn die manchmal die Köpfe schüttelten, gab es Geschöpfe, die sich gern zu ihm gesellten: Gänse und andere Artgenossen ließen sich ein ums andere Mal zu einer Flugpause bei ihm nieder.
DIE ART-HOME-STORY (13 )
Zu Gast bei Jeppe Hein Krimskrams, Nippes, Utensilien - im Laufe der Zeit sammelt sich so einiges an. Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers und lassen uns ihre Lieblingssachen und Herzensdinge zeigen.
Spiegelkugel Das ist ein Testmodell.
Im Moment beschäftige ich mich intensiv mit Verspiegelungen.
Wenn man einen Raum betritt, in dem sich ein verspiegeltes Objekt befindet, sieht man außer dem Objekt sich selbst und die Umgebung: Die Rollenverteilung zwischen Betrachter und Betrachtetem, zwischen Subjekt und Objekt ist nicht mehr klar. Verwirrung erzeugt Kommunikation.
Kugelbahn Jeder, der hier reinkommt, will mit diesem Modell spielen. Ich habe es 2004 für eine Ausstellung in Aachen entworfen. Es macht Spaß zu warten, bis die Kugel am Ende ihrer Bahn angekommen ist. Das schafft gute Energie. Früher habe ich mehr Modelle gebaut, mittlerweile kann man die Sachen besser am Computer simulieren.
Irgendwie schade, denn Modelle gefallen auch denjenigen, die keine Architekten sind.
Motor-Relais-Schlitten Das ist ein Prototyp für meine Arbeit "Moving Bench Nr. 2" von 2000. Ich bin zwar ein ausgebildeter Schreiner und verstehe einiges von solchen Konstruktionen, aber hierbei hat mir damals ein Techniker geholfen, den ich immer für einen zweiten Daniel Düsentrieb gehalten habe. Dieses Ding besteht aus zwei Relais und einem Motor, es ist auf eine Spannung von 220 Volt angelegt.
Katalog Robert Morris Morris' Ausstellung 1971 in der Tate ist für mich ein wichtiger Bezugspunkt: Es wurde ein Parcours errichtet, der die Kunst für die Besucher erfahrbar machen sollte. Nach nur fünf Tagen wurde die Schau jedoch geschlossen, weil es zu viele Verletzungen gab.
Wenn man Sachen im öffentlichen Raum macht, dann muss man sie unfallsicher konstruieren.
Surfbrett Surfen gehe ich seit ungefähr sechs Jahren - man muss ja auch noch was anderes machen als Kunst! Dieser Sport eignet sich zum Abstandgewinnen darum so gut, weil Kunst- und Surf- Orte so weit voneinander entfernt liegen. Allerdings sehe ich Surfen weniger als Sport, eher als einen Lebensstil. Man spürt die Naturkräfte - und welche Probleme sich ergeben, wenn man nicht mit ihnen, sondern gegen sie arbeitet.
Bildunterschrift:
Mit der Skyline von New York konkurrieren? Schwierig. Das muss wohl auch Olafur Eliasson einsehen, der vier rund 30 bis 40 Meter hohe Wasserfälle in den East River gebaut hat. Die massige Brooklyn Bridge jedenfalls lässt den Guss von rund zwei Millionen Litern pro Stunde fast mickrig aussehen.
Das Spektakel findet bis zum 13. Oktober statt. Infos: www.nycwaterfalls.org
Brigitte Waldachs Raumzeichnung passt hervorragend zum letzten Teil der "Roh kunstbau"-Trilogie "Drei Farben - Blau, Weiß, Rot" (Siehe Vorbericht auf Seite 83). Die Berliner Künstlerin beschäftigt sich seit 2000 in ihrem Projekt "Sichtung rot" mit der symbolträchtigen Farbe. Außer ihr nehmen noch neun andere Künstler an der alljährlichen Sommerausstellung teil, die bis zum 5. Oktober in Potsdam stattfindet, diesmal in der Villa Kellermann am Heiligen See. Infos: www.rohkunstbau.de
Schwerelose Schönheit: japanische Kiefer in "Shiki Formula"
Stumme Zeugen: Europas Grenzhäuschen. "frit08" zeigt den Übergang Colle del Piccolo San Bernardo
Positionen: indisches Tantrabild, Cattelan-Performance in New York
"oede02", Grenzübergang bei Lindau
"frit03": Grenze zwischen Italien und Frankreich bei Moncenisio
Benjamin Verdonck in seinem temporären Schwalbennest (links) am 13.
Stock des Rotterdamer Weena Tower (oben)
Der dänische Installationskünstler Jeppe Hein, 34, in seinem Berliner Atelier. Er pendelt zwischen dort und seiner Heimatstadt Kopenhagen
