Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 116

Abschied von der Bond Street

Von Hans Pietsch

Umzug: Londons Traditionsgalerie Agnew's orientiert sich neu

Eine grüne Fahne mit dem Namen Agnew's wehte seit 1877 über dem sechsstöckigen Galeriegebäude in der schicken Bond Street, das der Ururgroßvater des heutigen Direktors Julian Agnew errichten ließ. Die Firma selbst ist sehr viel älter, der Familienbetrieb wurde vor 191 Jahren ge gründet. Julian ist die sechste Generation, seine gerade ins Geschäft eingestiegene Tochter Gina die siebte.

Zu den Meisterwerken, die im Lauf der Jahre durch die angesehene Altmeistergalerie gegangen sind, gehört die so genannte "Rokeby-Venus" von Velázquez, heute in der National Gallery, und ein berühmtes Selbst porträt von Rembrandt, das in der National Gallery in Washington hängt.

Nun hat Agnew das traditionsreiche holzgetäfelte Haus für angeblich 25 Millionen Pfund an eine italienische Firma verkauft, die darin ein Modegeschäft einrichten will. Nicht aus Geldmangel, wie er betont, "wir sind profitabel".

Er brauche aber nicht mehr so viel Platz, meint er. Heute werde viel auf Messen umgesetzt, außerdem wolle er sich mehr auf den zeitgenössischen Markt konzentrieren. Den Erlös möchte er zum Ankauf von neuen Werken verwenden. Und wie fühlt er sich, jetzt, da er das Gebäude verlässt, in dem seine Familie 131 Jahre lang eine Galerie betrieben hat? "Wir sind ein Unternehmen, kein Museum. Und wir können nur erfolgreich sein, wenn uns das Gewicht der Geschichte nicht daran hindert, Entscheidungen zu treffen."

Bildunterschrift:

Gediegen: Räume der Galerie Agnew's in der Londoner Bond Street