Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 117
Aufrüstung an der Messefront
Von Clauda Bodin
Kampfansage: New Yorker "Armory Show" erweitert Programm
Während es bei der "Art Basel" personelle Turbulenzen gab - die künstlerische Leiterin und der Pressesprecher kündigten -, rüstet die Konkurrenz in New York auf. Vom Erfolg im März gestärkt, verkündete der Veranstalter, dass die "Armory Show" für 2009 einen zusätzlichen Pier von der Stadt mieten wird. Für 100 Millionen Dollar sollen auf dem benachbarten Anleger neben neuen Messehallen für 75 zusätzliche Aussteller ein Wintergarten und Konferenzräume entstehen.
Auch das Programm der New Yorker Messe, die 1994 bescheiden im "Gramercy Park Hotel" startete und sich auf neue Kunst beschränkte, soll sich ändern. "Wir werden dem Ganzen zwei Namen geben", so Mitbegründer Paul Morris. "Die Messe auf junge Kunst zu limitieren bedeutet, sie wie ein kleines Kind zu behandeln." So soll die "Armory Show" in Zukunft den Impressionisten und der Kunst nach 1945 vorbehalten sein, die neue "Armory Modern" konzentriert sich auf Zeitgenössisches - ein Konzept, mit dem die "Art Basel" seit Jahren erfolgreich ist.
"Unser Ziel ist es, die Armory besser zu machen, wir messen uns nicht an anderen", sagt Morris.
Hinter den ehrgeizigen Plänen steckt der Veranstalter "Merchandise Mart Properties" aus Chicago, der die "Armory" im vergangenen Jahr übernahm, die junge erfolgreiche Schweizer Show "Volta" kaufte und seit 2006 die "Art Chicago" leitet.
Doch dass ein überwältigendes Angebot keine Garantie für Erfolg ist, musste die im Kunstsektor unerfahrene "Mart"-Mannschaft dieses Jahr in Chicago erfahren.
Die neue Messeleitung war dazu übergegangen, auch das Geschäft mit den üblicherweise unabhängigen Satellitenveranstaltungen in die eigene Hand zu nehmen. So fanden Ende April ins gesamt fünf Messen, darunter eine Antiquitätenschau, unter einem Dach statt. 780 Aussteller, darunter 180 Galerien auf der Hauptmesse "Art Chicago", zeigten mehr als 16 000 Arbeiten auf 21 000 Quadratmetern.
Nicht wenige Galeristen, besonders Teilnehmer der als innovativ angekündigten "Next"-Messe, beklagten mäßige bis schlechte Geschäfte.
"Es gab so viel zu sehen.
Und es hatte den Anschein, dass sich manche Leute deshalb nicht entscheiden konnten", meinte "Next"-Teilnehmer Joe Amrhein, der mit seiner Galerie "Pierogi" in Brooklyn und Leipzig vertreten ist. Pikant an der ernüchternden Messebilanz ist auch, dass Daniel Hug zu den "Art Chicago"- Beratern gehörte. Der Galerist aus Los Angeles soll nun als Direktor der schwächelnden "Art Cologne" zu neuem Glanz verhelfen.
Bildunterschrift:
Warteschlange vor der New Yorker "Armory Show" 2008: Nächstes Jahr soll die Kunstmesse noch größer werden
