Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 89
Vergessene Lichtbildnerin der Stars
Von Petra Bosetti
Eine Ausstellung des Verborgenen Museums in der Berlinischen Galerie BERLIN: FRIEDA RIESS
Sie gehörte zu den Künstlerinnen, bei denen allein der kurze Nachname zum Markenzeichen wurde:
Die Riess - begnadete Porträtfotografin, die die Großen aus Kultur, Showbusiness und Sport vors Objektiv ihrer Kamera holte, und beliebte Gesellschafterin, deren Einladungen zum Tee Legende wurden.
Frieda Riess, wie sie mit vollständigem Namen hieß, wurde 1890 in Westpreußen geboren und zog bald mit ihrer jüdischen Kaufmannsfamilie nach Berlin. Dort besuchte sie die Fotografische Lehranstalt des Lette-Vereins. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffnete sie ein Fotoatelier am Kurfürstendamm.
Durch ihren Ehemann, den Lektor, Juristen und Schriftsteller Rudolf Leonhard, einem Pazifisten, bekam sie Kontakt zu dessen Freunden - Schauspielern, Theaterleuten, Varieté-Stars und Schriftstellern wie Walter Hasenclever, Tilla Durieux, Anna Pawlowa, die Mistinguett, Emil Jannings, Lil Dagover, Gerhart Hauptmann oder Max Liebermann. Ihre Porträtaufnahmen, raffiniert ausgeleuchtet und kunstvoll arrangiert, verraten trotz des artifiziellen Charakters viel vom Wesen und der Befindlichkeit ihrer Modelle.
1932 ging sie nach Paris. "Arbeiten aus dieser Zeit wurden bisher nicht gefunden", heißt es zur Ausstellung "Die Riess" in der Berlinischen Galerie. Organisiert wurde die Schau vom Verein "Das Verborgene Museum", der sich der Dokumentation der Kunst von Frauen widmet.
Trotz ihres legendären Rufs zur Zeit der zwanziger Jahre konnten die Ausstellungsmacher den weiteren Lebensweg von Frieda Riess nur bruchstückhaft rekonstruieren.
Selbst ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt - sie starb Mitte der fünfziger Jahre in Paris. Termin: bis 20. Oktober. Katalog: Wasmuth Verlag, zirka 35 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro.
Internet: www.dasverborgenemuseum.de, www.berlinischegalerie.de
Bildunterschrift:
Im Jahr 1922 fotografierte sich Frieda Riess selbst mit einem Papagei
