Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 84-85
Wilde Kerle, Gold und große Liebe
Von Petra Bosetti
Jeden Sommer haben kulturhistorische Ausstellungen Konjunktur: art stellt eine Auswahl der interessantesten Museumsschauen vor - von Bregenz bis London LEOBEN, BERLIN, HILDESHEIM, BREGENZ, LONDON: KULTURGESCHICHTE
Die Wikinger trugen keine albernen Töpfe mit zwei Hörnern auf dem Kopf, sondern zogen mit kunstvoll gearbeiteten, fein ornamentierten Helmen in den Krieg. Das zeigt eine sehenswerte Ausstellung im österreichischen Leoben. Die städtische Kunsthalle stellt jedes Jahr einen besonderen Kulturraum vor, diesmal den der Wikinger. Die Schau will belegen, dass die rauen Burschen aus dem hohen Norden zwar verwegene Seefahrer waren, aber auch ein Volk mit ausgeprägter Kultur. Aufwändiger Gold- und Silberschmuck, prachtvolle Schnitzereien, Alltagsgegenstände wie Gläser, Spielsteine oder Kämme kommen als Leihgaben aus Instituten wie dem Staatlichen Historischen Museum Stockholm, dem Schleswiger Wikinger-Museum Haithabu oder dem Armeemuseum in Paris.
Dem antiken Babylon widmet sich in diesem Sommer das Berliner Pergamonmuseum.
Das Haus besitzt mit dem Ischtar- Tor und der - teilweise rekonstruierten - Prozessionsstraße ohnehin schon zwei Highlights babylonischer Kunst aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Durch die Kooperation mit dem Pariser Louvre und dem British Museum in London sind in der Ausstellung über 800 Objekte - Statuen, Reliefs, Weihegaben, Architekturteile und Schriften - vereint.
Kunstvolle Metallarbeiten aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind unter dem Titel "Bild & Bestie" im Hildesheimer Dom-Museum zu sehen. Versierte Goldschmiede fertigten bronzene, figurative Trinkgefäße und andere Gegenstände vor allem in Form von Tieren. Zur fantasievollen Fauna gehören Fuchs und Adler, Löwe und Widder, dazu kommen Darstellungen mythologischer Wesen wie einer Sirene oder eines Zentauren. Die Hildesheimer Bronzen waren in der ganzen damals bekannten Welt begehrt.
Um Gold geht es im österreichischen Bregenz. Das Vorarlberger Landesmuseum widmet sich der "Schatzkunst zwischen Bodensee und Chur". Ausgehend von frühchristlicher Kunst des 6. und 7.
Jahrhunderts spannt die Ausstellung den Bogen bis zum Beginn der Reformation im 16. Jahrhundert. Kostbare Reliquienschreine oder ein Evangelium von Kaiser Karl dem Großen aus dem 9. Jahrhundert sind Höhepunkte der Schau, deren zweiter Teil in der Johanniterkirche in Feldkirch zu sehen ist.
Einem der ganz großen Herrscher der Geschichte, dem römischen Kaiser Hadrian (76 bis 138 nach Christus), widmet sich das British Museum in London.
Er war ein großer Bewunderer von Kunst und Kultur der griechischen Antike, ein Schöngeist, der sich nicht durch Eroberungszüge hervortat, sondern sich um die Befestigung der bestehenden Landesgrenzen kümmerte. Der Architektur galt Hadrians Leidenschaft - das Pantheon in Rom und die Reste seiner Villa in Tivoli zeugen heute noch davon. Ein Teil der Schau gilt der großen Liebe Hadrians, dem Jüngling Antinoos. Als der 130 nach Christus beim Versuch, den ertrinkenden Hadrian aus dem Nil zu retten selbst ertrank, erhob Hadrian ihn in den Status eines Gottes.
In der Ausstellung zeugen Plastiken, Büsten und silberne Abbildungen des Geliebten davon. Leoben: "Die Wikinger", bis 30. November, Katalog:
29 Euro. Internet: www.leoben.at Berlin: "Babylon", 26.
Juni bis 5. Oktober. Kataloge: "Mythos" zirka 19,90 Euro, "Wahrheit" zirka 29,90 Euro, als Paket zirka 39,90 Euro. Internet: www.smb.spk-berlin.de Hildesheim:
"Bild & Bestie", bis 5. Oktober. Katalog: 39,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro. Internet: www.bildundbestie.de Bregenz: "Schatzkunst zwischen Bodensee und Chur", 21. Juni bis 5. Oktober, Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro. Internet: www.vlm.at London: "Hadrian", 24. Juli bis 26. Oktober. Katalog: 25 Pfund, Hardcover 40 Pfund. Internet: www.britishmuseum.org
Bildunterschrift:
London: Büste des Antinoos (130 nach Christus, Höhe 95 cm)
Berlin: das babylonische Ischtar-Tor aus dem 6. Jahrhundert vor Christus
Hildesheim: Aquamanile (Wassergefäß) in Form eines ritterverschlingenden Greifen (erste Hälfte 14. Jahrhundert) aus Norddeutschland
Bregenz: romanischer Reliquienschrein des Heiligen Luzius (1252)
Leoben: Goldanhänger mit zwei verschlungenen Drachen
