Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 113

Trudeln im Kunstraum

Von Birgit Sonna

KOMMENTAR

Wir fühlen uns sehr wohl hier.

Es kommen viel mehr Leute als zuvor in Schwabing." Luise Horn, seit man denken kann Alma Mater im Vorstand des Münchner Kunstraums, strahlt voll des Glücks über das neue Domizil im Glockenbachviertel. Zum dritten Mal in einer Dekade ist der traditionsreiche Verein umgezogen. Ach nein, als Krisensymptom will das keiner der Mitstreiter bewerten.

Zwar wird mit jedem Ortswechsel das Programm zerfaserter, werden die Kuratoren unentschiedener, die Räume problematischer, die Künstler bedeutungsloser, aber die Aufbruchsemphase lässt man sich dennoch nicht nehmen. Im Gegenteil: Zur Eröffnung in der Holzstraße 10 wurde gar ein "Festival" anberaumt. Künstlerkurator Stefan Römer gab unter dem mühseligen Titel "Differenzierte Nachbarschaften in Neu- Belgrad" den Auftakt. Und um keinen Zweifel an seiner Doppelbegabung aufkommen zu lassen, setzt er sich gleich selbst mit auf die Künstlerliste. Man wird den Eindruck nicht los, dass vor allem Künstler aus den anverwandten Münchner Vereinsreihen bedient werden.

Vielleicht sollte man sich etwas weniger wohl und heimelig fühlen und vielmehr fragen, ob es Sinn hat, diskursstarken Münchner Institutionen wie dem Kunstverein oder der Lothringer 13 hinterherzuhinken. Einzig die kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung "Richard Tuttle, München 1973" versuchte, an legendäre Kunstraum-Zeiten anzuknüpfen, als Agnes Martin, Blinky Palermo, Richard Hamilton dort noch sagenhafte Auftritte hatten. Aber auch bei Tuttle bekam man viel dokumentarische Zettelwirtschaft und wenig Originale vorgesetzt.

"Der Kunstraum versteht sich als Plattform für junge zeitgenössische Kunst", heißt es im Vereinsprogramm.

"Spielwiese für wahllose Kuratoren" wäre im Moment die passendere Beschreibung.