Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 111
LKA will "Schatz" loswerden
Von Birgit Sonna
Präkolumbische Kunst: Heiße Ware liegt in Münchner Lagerhalle
Verborgenirgendwo in einer vom Landeskriminalamt (LKA) versiegelten und geheimgehaltenen Münchner Lagerhalle liegt er, der "Maya- und Aztekenschatz", wie viele Medien den Sensationsfund bayerischer Kunstfahnder nennen. Dabei ist schon der Begriff "Schatz" ein viel zu romantischer Begriff für die in Kisten verstauten rund 1100 Kunstgegenstände angeblich präkolumbischer Herkunft. Sie entstammen nämlich nicht einem plötzlich gehobenen Versteck, sondern sind in einer Nacht- und Nebelaktion aus einem Lager in Santiago de Compostela illegal nach Deutschland befördert worden.
In Spanien, wo sie in der zweifelhaften Ausstellung "Der Geist des prähispanischen Amerika" 1996 präsentiert wurden, lagerten die Kunstobjekte jahrelang unbeachtet.
Drahtzieher der Transaktion ist der Aus stellungskurator und Sammler Leonardo A. Patterson aus Costa Rica. Offenbar befürchtete Patterson, der spanische Staat könnte sich seines dubiosen Eigentums bemächtigen und brachte es nach Deutschland.
Es läuft bislang kein Ermittlungsverfahren gegen Patterson, weil der Strafbestand unklar ist.
"Theoretisch könnte es sein, dass sich unter den Exponaten aus 14 lateinamerikanischen Ländern auch eine Menge Überraschungseier versteckt halten", sagt der Münchner Oberstaatsanwalt Anton E. Winkler. Nur eine Kiste wurde bislang geöffnet. Die zur Stichprobe entnommene altamerikanische Schale erwies sich als echt. Man hangelt sich bei der Schätzung des Fundus an der Inventarliste der spanischen Ausstellung entlang, beziffert den Wert auf etwa 64 000 Euro. Wie viele Objekte aber authentisch sind, ist ungewiss.
Experten vermuten, dass viele Stücke aus Raubgrabungen stammen.
"Uns interessiert lediglich, wem die Gegenstände gehören und wie wir sie wieder loswerden", erklärt Winkler. Erst im Rahmen von Rechtshilfeersuchen aus dem Ausland würde man Kunstexperten zur Begutachtung der heißen Ware hinzuziehen. Mexiko hat bereits einen solchen Antrag gestellt.
Bildunterschrift:
Für echt befunden: antike Tonschale aus Lateinamerika
