Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 121
Der Anti-Paparazzo
Von Adrienne Braun
Ein Bildband präsentiert die Fotografien von Jürgen Schadeberg, dem großen Chronisten Südafrikas BUCH DES MONATS
Ob Nelson Mandela oder die Sängerin Miriam Makeba, Jazzclubs von Sophiatown oder Alltagsszenen - das europäische Bild von Südafrika hat Jürgen Schadeberg entscheidend geprägt. Der 1931 in Berlin geborene Fotograf ist als junger Mann nach Südafrika ausgewandert, wo er schwarze Models, Musiker und Menschen auf der Straße fotografierte - und dabei doch mehr als nur dokumentierte. "Ich bin kein politischer Fotograf", sagt Schadeberg, "sondern ein menschlicher." Der neue Bildband bilanziert 60 Jahre seiner Arbeit mit der Kamera - eine Expedition nach Botswana 1959, den Mauerbau in Berlin, Momentaufnahmen aus dem London der siebziger und achtziger Jahre und schließlich Südafrika in jüngster Zeit, wo Schadeberg das Elend der Ärmsten sichtbar macht. Auch wenn die Schwarzweißfotografien eine fast magische Wirkung besitzen, auch wenn sie ästhetisch ausgefeilt und brillant komponiert sind, bleibt Schadeberg doch immer nah an den Menschen, die er jedoch nie voyeuristisch vorführt. Sein Blick ist unaufdringlich und unaufgeregt, er zeigt Individuen, lässt dabei aber stets die gesellschaftliche Realität ahnen. Deshalb hätten seine Kommentare zu den einzelnen Fotografien durchaus etwas ausführlicher geraten können. Als große Rückschau seines Schaffens will der Fotograf, der heute in Paris lebt und arbeitet, das Buch übrigens nicht verstanden wissen. "Man sagt gern Retrospektive", erklärt er, "aber das gibt es nicht, ich bin schließlich schon wieder an neuen Projekten."
Bildunterschrift:
Jürgen Schadeberg begleitete Nelson Mandela 1994 beim Besuch seiner Zelle auf Robben Island
Ralf-P. Seippel (Hrsg.): Jürgen Schadeberg.
Hatje Cantz Verlag. 288 S., 285 Abb., 58 Euro. Collector's Edition mit Barytabzug in Mappe, 25 + 5 a.p. Ex., sign. und num., 400 Euro. Ausstellung: 28. Juni bis 14. September, Stiftung Kunst-Raum Sylt-Quelle, Rantum
