Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 122

NACHGEFRAGT

Von

Pepe Serra, 38, Direktor des viel besuchten Picasso-Museums in Barcelona, hat den Zugang von Touristengruppen in sein Haus beschränkt.

Sind Touristen dem Museum lästig?

Nein, aber das Museum dient der Erfahrung und der Teilhabe - nicht dem bloßen Konsum.

Wir sind ein kleines Haus und hatten zuletzt 1,1 Millionen Besucher im Jahr. Von einer bestimmten Fülle an ist kein zufriedenstellender Besuch möglich.

Wer muss draußen bleiben?

Es geht nicht um Ausschluss. Nur wurde lange auf die Wünsche von Reiseveranstaltern sehr viel Rücksicht genommen. Wir haben jetzt die Arbeit mit Schulklassen erheblich ausgeweitet. Deshalb kommen Reisegruppen etwa morgens nicht mehr in unser Museum. Beides zusammen geht nicht.

Das ist den Einzelbesuchern, die Schlange stehen müssen, nicht zuzumuten.

Gibt es Beschwerden?

Klar - und Drohungen. Aber da habe ich ein dickes Fell. Wenn mich Kreuzfahrtveranstalter anrufen und sagen: Unsere Kunden haben vier Stunden Zeit für die ganze Stadt, es geht um 900 Leute, die hätten wir gern in Hunderter-Gruppen und im Viertelstunden- Takt durchs Museum geführt - da muss ich sagen: Dieses Haus passt nicht zu dieser Form von Tourismus.

Sie verzichten also auf Besucher?

Ich habe lieber eine Million zufriedene als eineinhalb Millionen genervte Besucher.