Ausgabe: 07 / 2008
Seite: 83
Für Geister heißt es, Eintritt verboten
Von Petra Bosetti
Chinesische Gartenkunst von heute, zu sehen im Schloss Pillnitz DRESDEN: CHINESISCHE GÄRTEN
Was im Westen eher ein Ort für Sport, Spiel, Entspannung und Grillfeste ist, hat in China eine völlig andere Bedeutung: Dort ist der Garten ein nach strengen, jahrhundertealten Regeln aufgebautes Miniatur-Universum, das der Kontemplation dienen soll. Der chinesische Garten verkörpert Harmonie und Ausgewogenheit zwischen Himmel und Erde und den Elementen, geschützt durch eine zickzackförmig verlaufende Brücke, die den sich ausschließlich geradlinig fortbewegenden bösen Geistern den Eintritt verwehrt.
Auch die Prinzipien des Feng Shui, hierzulande eine teuer bezahlte Modeerscheinung, haben im chinesischen Garten uralte Tradition: Alles ist so ausgerichtet, dass positive Energien ungestört fließen können und negative erst gar nicht hereingelassen werden.
Dass auch heute noch die alten Traditionen Chinas ihre Berechtigung haben, zeigt die Ausstellung "Chinese Gardens for Living: Illusion into Reality" im Schloss Pillnitz, eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem National Art Museum in Peking. Sie versammelt Fotos, Malerei, Installation, Skulptur und Mode von Designern, Architekten, Malern und Fotografen, die sich mit der Lehre des chinesischen Gartens auseinandergesetzt haben. Dazu zählt etwa eine Installation aus Büchern, Holz und Wandschirmen von Lu Shengzhong oder ein klassischer Felsen aus einem chinesischen Steingarten, von Zhan Wang aus kühlem, rostfreiem Edelstahl nachgebaut. Und auch das Foto eines Körpertattoos, das auf dem Rücken eines Mannes einen chinesischen Felsengarten zeigt.
Die Ausstellung findet im Rahmen des Festivals "China in Dresden in China" statt. Zum Programm gehört auch die Ausstellung "Zeichen im Wandel der Zeit.
Chinesische Tuschemalerei der Gegenwart" (Lipsius-Bau, 28. Juni bis 14. September).
Höhepunkt wird zweifelsohne die Schau "Goldener Drache - Weißer Adler. Kunst im Dienste der Macht am Kaiserhof von China und am sächsischpolnischen Hof (1644 bis 1795)" sein (Residenzschloss, 11. Oktober bis 11. Januar).
Sie vereint Schätze aus dem legendären Palastmuseum in Peking, dazu kommen Kostbarkeiten vom sächsisch-polnischen Hof des 18. Jahrhunderts. Als Zentrum der europäischen Chinamode steht dieser beispielhaft für das große europäische Interesse an dem fernen Kaiserreich, seinen Produkten, seinen Künsten und seiner Philosophie. Termin: 28. Juni bis 31. Oktober.
Internet: www.skd-dresden.de
Bildunterschrift:
Chinesische Gartenkunst auf menschlicher Haut: "Chinese Shans-shui Tattoo" (1999) von Huang Yan
