Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 75

Naomi Campbell der Kunstwelt

Von Sandra Danicke

Die Schirn-Kunsthalle stellt ein Enfant terrible der internationalen Szene vor FRANKFURT/MAIN: TERENCE KOH

Er überzog seine Exkremente mit Gold und Michael-Jackson-Figuren mit Schokolade. In seinen Installationen findet sich Erbrochenes und Ejakulat neben Chanel-Lippenstift und Plastik-Dinosaurier. Unter den Enfants terribles der Kunstwelt ist Terence Koh eines der überdrehtesten. Binnen weniger Jahre hat sich der Künstler, der 1977 in Peking geboren wurde, in Vancouver aufwuchs und mittlerweile in New York und Berlin lebt, mit provokativen Aktionen, Objekten und Installationen ins Bewusstsein der Szene katapultiert.

Die Ausstellungen Kohs, der sich selbst wahlweise als eine Mischung aus "haarlosem Albinowolf und pinkfarbenem Hasen mit Einhorn" oder "" bezeichnet, sind häufig barock überladen und minimalistisch zugleich. Welche Geschichten und Verweise sich hinter der Flut von Gegenständen verbergen, kann der Besucher allenfalls erahnen. Oft geht es um seltsame Rituale, sexuelle Praktiken oder kunst historische Zitate, die der Künstler wild kombiniert.

Dass die Arbeiten meist in den Nichtfarben Schwarz oder Weiß gehalten sind, hat Koh einmal auf seine Vorliebe für asiatische Beerdigungen zurückgeführt.

Aber wer weiß? Der Erfindungsreichtum von Terence Koh macht auch vor dreisten Behauptungen nicht halt.

Einmal soll er gar Besucher der New Yorker Armory Show zu einer Eröffnung eingeladen haben, die sich als "Dark Room" für Schwule entpuppte.

Unter dem Titel "Captain Buddha" richtet Koh nun in der Schirn-Kunsthalle eine Installation ein, die nach eigener Aussage von der Figur des Captain Ahab aus Hermann Melvilles Buch "Moby Dick" und dem Zen-Buddhismus inspiriert wurde. In einem 40 Meter langen, grell überstrahlten Raum will Koh 15 weiß gestrichene Bronzeskulpturen präsentieren, die sich bei näherer Betrachtung als surreale Gebilde entpuppen und auf Reisen nach Tokio, Birma oder Afrika verweisen. Zum Beispiel zwei Affenhintern an einem Kleiderbügel, ein aus Bienen geformtes Törtchen, aus dem ein Finger mit Docht herausragt, ein aus VWRadkappe und Klopümpeln gebildetes Steuerrad oder zwei an einem Ast hängende Unterarme, an denen ein Gartenzwerg baumelt. Letzteres soll übrigens auf die Geburt Buddhas verweisen, den seine Mutter der Sage nach stehend, an einen Ast geklammert, zur Welt gebracht hat.

Wie Captain Ahab versuche er in den weißen Objekten den Wal zu finden, sagt Koh. Ein Unterfangen, das ein hohes Maß an Besessenheit verlangt.

Termin: 28. Mai bis 31. August.

Katalog: erscheint im Verlag Buchhandlung Walther König. Internet: www.schirn.de

Strahlendes Weiß bedeckt die Installation "These Decades that We Never Sleep, 2/2" (2004) aus verschiedenen Materialien

"Warhol bleibt als chinesischer Wintergarten in meinem Herz (Selbstporträt)", 2006