Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 74

Schlechte Malerei - gute Kunst

Von Almuth Spiegler

Das Museum für Moderne Kunst zeigt, wie Künstler die Malerei getestet haben WIEN: BAD PAINTING

Die Dame im fliederfarbenen Abendkleid mit fratzenhaftem Gesicht, das Kind, das auf grüner Wiese über die zerbrochene Puppe weint, rosa Reiher, die mit ihren Hälsen das abstrakte psychedelische Muster im Hintergrund karikieren. Schlechte Malerei? Nein, in diesem Fall gute schlechte Malerei. "Bad Painting - good art" heißt eine Ausstellung im Wiener Museum moderner Kunst, die ein Phänomen aufgreift, das seit den achtziger Jahren herumgeistert - erstmals aber historisch, wie eine der beiden Kuratorinnen, Eva Badura-Triska, betont. Denn bereits 1978 hat die 2006 gestorbene New Yorker Kuratorin Marcia Tucker in ihrem New Museum unter "Bad Painting" amerikanische Maler der siebziger Jahre vorgestellt - Künstler, die heute kaum jemand mehr kenne.

Die Idee zu diesem durchaus riskanten Projekt im Mumok aber hatte Baduras Kollegin Susanne Neuburger. Riskant deshalb, weil es den beiden eben gerade nicht darum geht, wirklich schlechte Werke bekannter Künstler wie Sigmar Polke, Georg Baselitz, Asger Jorn oder Albert Oehlen vorzuführen. Sondern darum, eine künstlerische Strategie aufzuzeigen, die in der Moderne schon René Magritte und Francis Picabia benutzten: Während einer Phase innerhalb ihres Werkes versuchten sie, die Malerei zu testen, sie an ihre Grenzen zu bringen, ohne sie aber je zu verlassen. Das sei das Paradoxe daran, so Badura.

Eine weitere Besonderheit ist die Auflehnung nicht nur gegen die Tradition, sondern auch gegen die "gerade vorherrschende Avantgarde". Das sei ein Grund, warum "Bad Painting" als Strategie heute seine Relevanz verloren hat: Es gibt keine Avantgarde mehr. Trotzdem reicht die Ausstellung bis ins Jetzt, mit John Currins Renaissance-Grotesken und Lisa Yuskavages oversexed Mädchenbildern (art 2/2008). Insgesamt hat das Kuratorinnen- Duo nur knapp 20 Maler ausgewählt, um das Phänomen auch wirklich auf den Punkt zu bringen. Leihgaben waren auch alles andere als leicht zu bekommen. Um Werke aus Magrittes Fauvismus-Parodie der Nachkriegszeit kämpften sie vergeblich bis zum Schluss.

Termin: 6. Juni bis 12. Oktober. Katalog: DuMont Verlag, 34,90 Euro. Internet: www.mumok.at

Riskant: "Hirschbrunft im Wilden Kaiser" (1960, 90 x 120 cm) von Asger Jorn