Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 114
Kunstgenuss oder Fleischeslust - was suchte Eliot Spitzer?
Von Claudia Bodin
GLOSSE
Na, das ist doch mal eine interessante Kunstwebsite, wird sich Eliot Spitzer gedacht haben, als er sich von einer Dame in Spitzenstrapsen zur nächsten klickte. Wahrscheinlich war der Gouverneur von New York ursprünglich auf der Suche nach einem hübschen Bild, um sein Apartment auf der Fifth Avenue zu dekorieren. Vielleicht hielt er nach einem Geschenk für seine Gattin Ausschau.
Bestimmt hatte er einen anstrengenden Tag hinter sich: Wer als selbst erklärter Saubermann der Korruption den Kampf angesagt hat, als Hoffnung der Demokraten gilt und eigens eine Einsatztruppe einrichtet, um gegen die Mafia und gegen Prostitutionsringe vorzugehen, hat eben alle Hände voll zu tun. Bei so viel Stress kann man schon mal statt "Emperors Club Contemporary Art" eben "Emperors Club VIP" anklicken. Bei der einen geht es um freizügige Damen, bei der anderen um zeitgenössische Kunst, und letztere ist teuer: 450 000 Dollar (rund 290 000 Euro) kostet die Mitgliedschaft im "Emperors Club Contemporary Art", die man locker per E-Mail starten kann. Versprochen werden einem dafür Verbindungen zu Top-Händlern und Künstlern wie Jeff Koons und David Hockney. Spitzer wird sich an diesem Punkt gedacht haben, dass er bei den "Emperor"- Girls mehr Freude für weniger Taschengeld haben kann. Immerhin gab er "nur" 80 000 Dollar für die Dienste des inzwischen hochgenommenen Online-Hostessenservice aus.
Ob Kunstgenuss oder pure Fleischeslust - was immer Spitzer damals suchte, jetzt ist er arbeitslos, führt den Hund Gassi und geht zur Therapie - wohl um herauszufinden, was genau an diesem Abend schief lief, als er auf diese verflixte Website klickte.
Verwechselt?
"Emperors Club Contemporary Art" und "Emperors Club VIP" (unten)
Ex-Gouverneur Eliot Spitzer
