Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 111

Liechtenstein macht Druck

Von Birgit Sonna

Leihgaben: Münchner Schau im Strudel des Steuerskandals

Es scheint wie eine Ironie des Schicksals, dass Liechtenstein ausgerechnet dem Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung bereits versprochene Leihgaben verwehrte. Reinhold Baumstark war nämlich von 1976 bis 1991 Direktor der fürstlichen Kunstsammlung von Liechtenstein in Vaduz. 160 Meisterwerke aus dieser Sammlung sollten den Kernbestand einer Biedermeier- Schau in der Neuen Pinakothek in München ausmachen. Wegen des Steuerskandals sagte Liech tenstein brüsk ab. art-Korrespondentin sprach mit Baumstark über die prekäre Lage. art: Hat Sie die Absage unerwartet getroffen?

Baumstark: Nein, ich hatte mir bereits Gedanken gemacht, ob es in dieser angeheizten Diskussion überhaupt sinnvoll ist, eine Ausstellung über die wunderbaren Bil der der Biedermeier-Sammlung der fürstlichen Familie von Liechtenstein zu organisieren.

Die Zeitungen waren ja voll mit Anschuldigungen von beiden Seiten. Für uns ist die Ausstellung nur verschoben.

Ist Liechtenstein, salopp ausgedrückt, gegenwärtig nur etwas verschnupft?

Mit Sicherheit richtet sich die Verärgerung nicht gegen mich persönlich oder unser Haus. Im Gegenteil, es dürfte dem Fürsten schwer gefallen sein, ausgerechnet an mir dieses drakonische Exempel zu statuieren. Fragwürdig ist aber, inwieweit man eine Verbindung herstellen darf zwischen einer an sich unschuldigen Ausstellungsaktion und dem, was an der Steuerfront schief läuft.

Das Schockierende ist doch, dass Kunst unverblümt gegen Wirtschaftsinteressen ausgespielt wird.

Ich will gar nichts beschönigen, aber mit der Gewährung und auch Rücknahme von Ausstellungen wurde schon immer Politik gemacht. Zu DDR-Zeiten ist etwa eine Dresden-Ausstellung groß auf Reisen geschickt worden, um für das Regime gute Presse zu machen.

Nur hätte man diese Pressionen nicht von einem Staat wie Liechtenstein erwartet.

Ich bin sicher, dass es nach der ersten Aufwallung des Zornes wieder zu einer nüchternen Einschätzung der politischen Lage kommt.

Ist schon ein neuer Termin für die Schau angesetzt?

Da ich nur noch bis März 2009 im Amt bin, versuchen wir die Ausstellung bis dahin zu realisieren. Manchmal führen große Dramen, wenn sie abklingen, zu um so heitereren Ergebnissen.

Dar auf arbeite ich hin!

Hofft weiter auf Leihgaben aus dem Fürstentum: Reinhold Baumstark