Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 114

Ein Portikus für Venedig

Von Sandra Danicke

Ausstellung I: Daniel Birnbaum wird die Biennale leiten

Der Rektor der Städelschule Frankfurt/Main Daniel Birnbaum, 45, wird Leiter der Venedig- Biennale 2009. art-Korrespondentin sprach mit dem gebürtigen Schweden kurz nach seiner Berufung. art: Wie hat Ihnen die Biennale 2007 gefallen?

Birnbaum: Ich erinnere mich mit Freude an die Bilder von Sigmar Polke und natürlich an Arbeiten von Franz West. Nach einem Jahr bleiben ja hauptsächlich individuelle Eindrucke hängen. Oh ja, Sophie Calle im französischen Pavillon!

Das sind sehr etablierte Künstler.

Werden Sie auch weniger gesicherte Positionen zeigen?

Bekannt oder unbekannt ist mir ziemlich egal. Ich möchte nicht etablierte Künstler vermeiden.

Könnte ich Francis Picabia überzeugen, eine neue Arbeit für die Biennale zu machen - warum nicht? Wird aber nicht leicht. (Picabia starb 1953; Anm. d. Red.)

Es geht mir hauptsächlich darum, dass ich die produktiven Möglichkeiten der Biennale betonen will. Auf jeden Fall wäre es spannend, dort Sachen zu zeigen, die man sonst nicht oft sehen kann.

Zum Beispiel?

Ich weiß es noch nicht. Das Konzept ist noch recht offen, und ein Team gibt es auch noch nicht. Ich weiß nur so viel: Die Ausstellung muss nicht beeindruckend sein im Sinne von Prestige und Status.

Aber sie sollte präzise sein und eine Sichtweise auf die Kunst und die Welt überzeugend vermitteln.

Von Ihnen ist vermutlich keine Ausstellung zu erwarten, die man auch in einem Museum zeigen könnte?

Es gibt in Venedig eine Guggenheim- Collection, es gibt die Sammlung von François Pinault, einem der mächtigsten Privatsammler der Welt. Es wäre irgendwie unnötig, wenn man denen mit einer Ausstellung Konkurrenz machen wollte. Andererseits sollte die Biennale die Freiheit nützen, dass sie unabhängig von den vom Markt diktierten Hierarchien arbeiten kann. Für mich ist das sowieso das Interessantere.

Als Rektor einer Kunsthochschule erwartet man von Ihnen vermutlich, dass Sie neue Positionen ins Spiel bringen.

Ich glaube schon, dass die Biennale- Stiftung es interessant findet, dass ich durch die Städelschule diese Nähe zur Produktion habe. Diese besondere Situation, die wir in Frankfurt mit dem Ausstellungshaus Portikus haben, wo wir alte und junge Künstler einladen, die etwas mit den Studenten gemeinsam produzieren - so etwas für Venedig wäre schon klasse. Aber ob das möglich ist, weiß ich jetzt noch nicht.

Eine Art Portikus de Luxe?

Na ja, de Luxe wird es wohl nicht werden, das Budget der Biennale ist nicht so beeindruckend, man muss schon Partner finden, um etwas Anständiges zu realisieren.

Sie müssen also Sponsoren suchen?

Ich glaube schon. Allerdings ist im Unterschied zu vielen anderen Biennalen die Motivation der Künstler auch sehr groß. Die Leute wollen dort sichtbar sein.

Spielt Venedig wirklich noch diese entscheidende Rolle für die Künstler?

Natürlich gibt es jetzt sehr viele internationale Ausstellungen, Biennalen, Triennalen und so weiter, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Biennale in Venedig viel von ihrer symbolischen Kraft verloren hat.

Neuer Biennale-Leiter: Daniel Birnbaum, Rektor der Städelschule Frankfurt