Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 108
Systematischer Kunsterwerb
Von Hans-joachim Mller
Markt: "Rheingold"-Investoren sichern sich Museumsstücke
Kunst macht erfinderisch. Viel Kunst schafft immer neue Dienstleistungen, immer neue Möglichkeiten, mit lauten Ideen Geschäfte zu machen. Eine der stillen, aber deswegen nicht bescheidenen Geschäftsideen nennt sich "Rheingold". Das ist ein 2002 gegründetes Kunstsammelunternehmen mit Sitz in Düsseldorf, das die uralte und umso modischere Profession des Kunsterwerbs von gefährlichen Passionen und Persönlichkeitsstörungen befreit und in eine solide "Gesellschaft des bürgerlichen Rechts" überführt hat. Man kauft "zukunftsweisende Positionen der Gegenwartskunst in den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst", wie es auf der Website des Unternehmens heißt:
Das meint Werke von renommierten Künstlern wie Jörg Immendorff, Peter Doig, Fischli & Weiss, Daniel Richter. Man kauft das Zukunftsweisende systematisch, also in ganzen Blöcken und in "Absprache mit den Künstlern" und einer Handvoll "Partnermuseen".
Dazu gehören das Museum Ludwig in Köln, das Museum Abteiberg in Mönchengladbach, der Kunst-Palast in Düsseldorf sowie das Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Für ihre Dienste (Ausstellungen, Publikationen, Restaurierung) wer den diese Häuser mit langjährigen Leihgaben belohnt.
Als der Kölner Sammler Reiner Speck sich von rund 300 Werken seiner legendären Kollektion trennen wollte, machten vier Männer von "Rheingold" das Geschäft.
Nicht ohne Pikanterie, dass ausgerechnet dieser blitzgescheite Homme des Arts mit den Gesellschaftern einer Kunstfirma handelseinig geworden ist, deren Personal gerne im Hintergrund agiert. Anders als so manche Sammler mit sichtlichem Genuss an der Star rolle, meidet die Rheinsippe den Bühnenrand:
Eugen, Michael, Klaus und Bernd, die vier Viehof-Brüder (ehemals Allkauf-Handelskette), die Düsseldorfer Unternehmerin Hedda im Brahm-Droege und Art Consultant Helge Achenbach, dem die Geschäftsführung obliegt, gehören nicht gerade zu den Stammgästen der spektakulären, großen Kunstpartys. Über ihr Ankaufsbudget und den wahren Umfang ihrer siebenjährigen Sammeltätigkeit gibt es keine genaue Auskunft. Noch immer werden die hochpreisigen Projekte wie bei einer Aufsichtsratssitzung in der Gesellschafterversammlung besprochen, wobei jeder der sechs Zeichnungsberechtigten in der Regel zumindest eine Arbeit des gekürten Künstlers finanziert, wo durch wieder eine respektable Werkgruppe beieinander ist. Dass die Mittel beträchtlich sein müssen, legen nicht zuletzt die 50 Millionen Euro nahe, die das Viehof-Quartett für die Übernahme der Speck-Werke bezahlt haben soll. Wobei in diesem speziellen Fall die Mitgesellschafter nicht mitfinanziert haben.
Gleichwohl werde die Sammlung, wie Sprecher Helge Achenbach betont, über "Rheingold" gezeigt, und es gelte auch für dieses Konvolut die "Rheingold"-Satzung, nach der 20 Jahre lang aus dem "Kunstfonds" nichts veräußert werden darf.
20 Jahre will man also schon noch mitspielen. Mit dem großen Querschnitt durch die Sammlung, seit Mai herrschaftlich präsentiert im Schloss Dyck nahe der Insel Hombroich, wo im August auch die ehemaligen Speck-Werke gezeigt werden, ist es wohl mit der Stille der stillen Geschäftsidee vorbei.
Die Werke, die Reiner Speck (hier vor einem Bild von Sigmar Polke) verkauft hat, sollen bald auf Schloss Dyck zu sehen sein
Geschäftsführer Helge Achenbach
HANS-JOACHIM MÜLLER
