Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 91
Mondgesichter
Von Michael Kohler
KÖLN: SEIWERT - HOERLE - ARNTZ
Eine sehenswerte Schau der "Kölner Progressiven" im Museum Ludwig. Anfang der zwanziger Jahre waren Franz Wilhelm Seiwert, Heinrich Hoerle und Gerd Arntz noch ziemlich dada. Ihre Gruppe gab sich den ironischen Titel "Stupid", emanzipierte sich aber bald von den großen künstlerischen Strömungen der Weimarer Republik. Die Maler Seiwert und Hoerle schufen engagierte Arbeiterkunst in satten Farben und geometrischen Formen, der Grafiker Arntz verknappte den Alltag zum feinsinnigen Piktogramm. Gemeinsam war ihnen eine Neigung zum Mondgesicht - die Typologie erschien dem Trio als treffender Ausdruck der sozialen Realität. Diesen formalen Eigensinn bezahlte die "gruppe progressiver künstler" lange mit einer Existenz am Rand der Kunstgeschichte. Nach einer ersten Wiederentdeckung in den siebziger Jahren findet ihre originelle Handschrift nun im Museum Ludwig die umfassende Beachtung, die sie verdient.
Termin: bis 15. Juni. Katalog: Verlag Buchhandlung Walther König, 25 Euro, im Buchhandel 34 Euro.
Internet: www.museum-ludwig.de
