Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 110

Wenn Monitore schwarz bleiben

Von Adrienne Braun

Videokunst: Schäden an Paik-Arbeit in Stuttgart

Gibt der Fernseher den Geist auf, kommt er halt zum Sondermüll. Doch was im Alltagsleben üblich ist, gilt nicht in der Welt der Kunst: Als neulich bei der 1996 errichteten Installation "Two-Way Communication" von Nam June Paik (1932 bis 2006) einige der insgesamt 90 Monitore kaputtgingen, war die Sorge in Stuttgart groß. Wie alle Institute, die Arbeiten des Video-Pioniers Paik besitzen, stellte sich auch für die Staatliche Akademie der Bildenden Künste die Frage: Was tun, wenn Medienkunst in die Jahre kommt? Der Master-Studiengang Konservierung Neuer Medien hat "Two-Way Communication" nun erst einmal dokumentiert.

"Jetzt wissen wir, wie die Arbeit funktioniert", so Klaus Pollmeier, wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Noch aber fehlt eine Lösung, wie Hardware und Paiks Einspielungen erhalten werden können, ohne die künstlerische Wirkung zu verändern.

Restauratoren sind sich einig, dass Röhrenmonitore nicht gegen Flachbildschirme ausgetauscht und Videobänder nicht einfach digitalisiert werden sollten. "Denn das Material ist ein entscheidender Hinweis auf die Entstehungszeit", sagt Ulrich Lang, Konservator am Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt/Main.

Immerhin konnten die Frankfurter bei Paik noch zu dessen Lebzeiten die Genehmigung einholen, dass bei seiner Videoarbeit "One Candle" (1989) die Projektoren ausgetauscht werden durften.

Das technische Equipment gibt das MMK jetzt nicht mehr heraus, wohl aber die Erlaubnis, die Arbeit für andere Ausstellungen zu rekonstruieren. Dabei muss aber deutlich werden, was "Original und was ein beliebiger Nachbau ist", sagt Lang.

Auch das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe unterscheidet streng zwischen Original und "bearbeiteter Ausstellungskopie", bei der neue Geräte und digitale Kopien zum Einsatz kommen dürfen - sofern darauf hingewiesen wird.

Uneinig sind sich die Experten aber, wie man digitalisierte Kopien wiederum speichern soll - auf Festplatte oder auf Bändern?

Das kann auch das Nam June Paik Art Center in Korea nicht beantworten, das kürzlich dazu selbst in Karlsruhe Rat suchte.

Eine Standardlösung hält Christoph Blase vom ZKM ohnehin für gefährlich. "Wenn wir uns dann alle für die falsche Technik entscheiden, wäre das fatal."

Einige Monitore der Installation "Two-Way Communication" (1996) von Nam June Paik sind defekt