Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 76

Ein Pate der Pop Art aus Frankreich

Von Gerhard Mack

Die Fondation Beyeler zeigt neue Aspekte im Werk des französischen Malers BASEL: FERNAND LÉGER

Man steht da, spricht mit jemandem, und plötzlich wird es blau. Dann verschwindet die Farbe, eine andere kommt, und es wird rot, gelb. Diese Farbe da, die Farbe der Scheinwerfer, ist frei: Sie befindet sich im Raum.

Dasselbe wollte ich auch auf meinen Bildern machen." So fasziniert äußerte sich Fernand Léger 1942 über die Leuchtreklame am Broadway. Der Pariser Maler kam 1940 als Exilant nach New York und war von der Dynamik der Großstadt begeistert.

Das Phänomen Bewegung hatte ihn schon vor dem Ersten Weltkrieg fasziniert, als er in Paris neben Pablo Picasso und Georges Braque eine eigene Variante des Kubismus entwickelte.

Seine Bilder baute er als Assemblagen aus walzenförmigen Elementen und nannte sie "Contrastes des formes". Nach dem Ersten Weltkrieg griff er auf Kolben, Schrauben, Bolzen und andere mechanische Gebilde zurück und baute aus diesen "éléments mécaniques" Bildmaschinen, die genauso gut Personen wie Landschaften und Interieurs darstellen konnten. In den amerikanischen Jahren sind Werke entstanden, auf denen Arbeitergruppen fast die Formate sprengen und Farben im Bildraum schweben.

Damit wurde Léger (1881 bis 1955) für eine ganze Generation von Malern zum Referenzpunkt, die nach der Ausdruckskunst der abstrakten Expressionisten nach mehr Distanz suchten. Die Ausstellung, die nun in der Fondation Beyeler erstmals diese Bezüge umfassend herausarbeitet, möchte allerdings keine Abhängigkeiten behaupten; Kurator Philippe Büttner möchte Dialoge in beide Richtungen inszenieren. Ellsworth Kellys freie, auf die Wand aufgebrachte Formen korrespondieren als Fragmente mit Légers Rhythmen, Robert Rauschenbergs dreidimensionale Assemblagen sind wie Légers Bilder aus Baukästen, aber mit anderem Inhalt, entstanden. Léger wird als einer der "Paten der Pop Art", so Kurator Büttner, gefeiert, der der amerikanischen Kunst andere Bautypen zur Verfügung stellte.

Termin: 1. Juni bis 7. September. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 68 Franken, im Buchhandel 49,80 Euro.

Internet: www.beyeler.com

"La Grande Julie" (112 x 127 cm), Ölgemälde aus dem Jahr 1945