Ausgabe: 06 / 2008
Seite: 121

Kein Kuschelkitsch

Von

Martin Eder als Aktfotograf

Meist waren es die kleinen, süßen Kätzchen, an denen man sofort jedes Gemälde des Berliner Künstlers Martin Eder erkannte. Oft kombinierte der Maler sie noch mit lolitahaften Frauenfiguren - mit überwiegend schwülem, schwer erträglichem Resultat. Doch Kuschelkitsch und Bonbonerotik sind nun passé. Der Maler gönnt sich eine Pause und erfindet sich als existenzialistischer Fotophilosoph neu. Im Katalog "Die Armen" mit über 100 Akt- und Porträtfotografien huldigt Eder mit der Kamera vor allem den Frauenmodellen und der sie umgeben den Dunkelheit. Das hätte man dem Kätzchenmaler nicht zugetraut: Durch konzentrierte Kargheit entsteht Spannung, bis hin zur Meditation. K. N.

Helmut Ziegler (Hrsg.): Martin Eder - Die Armen. Prestel Verlag. 128 S., 120 Abb., 39,95 Euro

Eder: "Les Nus #0200" (2008)