Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 76-78

Gespielinnen des Lichts

Von Michael Kohler

Das Museum Kunstpalast präsentiert das Material Glas im Blick der Kunst DÜSSELDORF: ZERBRECHLICHE SCHÖNHEIT

Der üppige Liebesbote auf Caesar Boetius van Everdingens Gemälde hat Pfeil und Bogen abgelegt und balanciert stattdessen eine Glaskugel in der Hand. Sein Blick weist in die Ferne, während wir nur rätseln können, was ihm die magische Sehhilfe verraten hat. Für den Betrachter bleibt der durchscheinende Körper blind, geschickt verbirgt der Künstler Amors Wissen hinter einem milchigen Vorhang aus Licht-und-Schatten-Spielen.

Nicht nur für die niederländische Malschule des 17. Jahrhunderts stellen die widersprüchlichen materiellen Eigenschaften des Glases eine immerwährende Herausforderung dar: Es ist zugleich hart und zerbrechlich, je nach Lichteinfall transparent oder undurchsichtig, nimmt erhitzt jede erdenkliche Form an und geht erkaltet allzu leicht in Scherben. Entsprechend hoch ist in der Malerei, aber auch in den Künsten, die Glas als Werkstoff nutzen, dessen symbolischer Gehalt: Neben der Fragilität menschlicher Werke und des Lebens selbst führt es vor allem die Möglichkeiten und Grenzen der visuellen Wahrnehmung vor Augen.

Beide Motive stehen auch im Mittelpunkt der Themenausstellung "Zerbrechliche Schönheit - Glas im Blick der Kunst", mit der Beat Wismer seinen Einstand als neuer Direktor des Düsseldorfer Museum Kunstpalast gibt. Etwa 150 Leihgaben und Werke aus der eigenen Sammlung sollen dabei ein reizvolles Wechselspiel zu den Schätzen des dauerhaft im Kunstpalast untergebrachten Glasmuseum Hentrich eröffnen.

Sowohl zeitlich wie auch thematisch spannt Wismer einen anspruchsvollen Bogen: Gezeigt werden Fresken aus der süditalienischen Stadt Pompeji und optische Geräte der Alchemisten, künstlerische Selbstporträts und Zeugnisse der Tischkultur, Meisterwerke der Stilllebenmalerei und zeitgenössische Objektkunst.

Gerade die Moderne haucht den traditionellen Motiven immer wieder Leben ein, indem sie diese in neuen Medien erprobt.

Ein schönes Beispiel dafür ist Pipilotti Rists Video "Ever Is Over All", in dem eine fröhliche Vandalin im Namen der Kunst Autoscheiben mit einer Blume zerschlägt, während in Gerhard Richters Installation "Stehende Scheiben" das Licht kaum weniger raffiniert gebrochen wird als auf Claude Monets Ansicht eines Einweckglases.

Ein gesonderter Bereich der Ausstellung bleibt dem wichtigen Thema der Glasarchitektur vorbehalten, deren Funktion sich mit den Jahrhunderten grundlegend verändert hat. Sollte die kirchliche Glasmalerei den Gläubigen mit ihren lichtdurchfluteten Motiven noch buchstäblich Erleuchtung schenken, so künden die auch nachts taghell illuminierten Fassaden moderner Büro- und Geschäftshäuser von der steten Betriebsamkeit der Welt.

Termin: 19. April bis 31. August. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 39,80 Euro.

Internet: www.museum-kunst-palast.de

Guido Reni:

"Trinkender Bacchusknabe" (72 x 56 cm), um das Jahr 1623 gemalt

Rebecca Horn:

"Fuchs im Saturn", (2004, Höhe 100 cm), Stahl rahmen, Glasscheiben, Trichter, Asche, Gold, Motor

Claude Monet:

"Das Pfirsichglas" (1866, 56 x 46 cm)