Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 125
Pionierarbeit in Afrika
Von Camilla Pus
Messe: Joburg Art Fair zeigt die junge Kunst des Kontinents
Noch vor wenigen Jahren galt Afrika als Terra incognita, wenn es um zeitgenössische Kunst ging. Inzwischen hat der Kontinent aufgeholt. Das zeigt sich nicht nur an den Teilnehmerlisten der letzten Biennalen. Afrika positioniert sich auch als spannender Kunstschauplatz. Dabei kommt Südafrika mit seiner boomenden Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Neben Spitzengalerien wie Michael Stevenson, João Ferreira, Brendon Bell-Roberts oder die Goodman-Galerie, eröffnen sowohl in Kapstadt als auch in Johannesburg junge Galerien und Projekträume.
Viele Händler leisten künstlerische Pionierarbeit: Ihr Ziel ist es, das Interesse der Südafrikaner für ihre junge Kunst zu wecken.
Ein wichtiger Schritt in die se Richtung ist jetzt mit der ersten Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst im Sandton Conven tion Center, mitten im Financial District Johannesburgs gelungen.
Das besondere daran: Die Händler hatten fast ausschließlich Werke einheimischer Künstler im Gepäck. Zu den Spitzenwerken gehörte ein Aquarell von Marlene Dumas und ein Wandteppich mit Pferdemotiv von William Kentridge bei Goodman, Kanistermas ken des Documenta-Künstlers Romuald Hazoumé bei der Londoner October Gallery (9400 Euro), Dokumentarfotos von Zwelethu Mthethwa bei Jack Shainman aus New York (je 9000 Euro) sowie die eindrucksvolle "Hye na Men"-Serie des Fotografen Pieter Hugo (je 6400 Euro) bei Stevenson aus Kapstadt.
Laut Messeleiter Ross Douglas war die Debütshow ein voller Erfolg mit Einnahmen von rund 2,4 Millionen Euro. Das teuerste Bild, gemalt von dem sozialkritischen Realisten Gerard Sekoto, wurde für rund 476 000 Euro verkauft.
Unter den geladenen Sammlern aus Übersee waren Robert und Vanessa Devereaux, die gerade eine Afrika-Sammlung aufbauen.
Begeistert waren die Messebesucher von Robin Rhode. Der Animationskünstler aus Kapstadt, der seit 2003 in Berlin lebt, führte seine brandneue Video-Endlosschleife "Empty Pockets" vor.
Peter Herrmann, Galerist aus Berlin, verkaufte zwei Arbeiten des Kameruner Autodidakten Malam für jeweils rund 8000 Euro an seine Messenachbarin Linda Givon, Direktorin der Goodman Gallery. Ein perfekter Coup: Nun plant sie eine Einzelausstellung des Künstlers, der in seinen provokativen Collagen die Haltung der Pharmakonzerne gegenüber der Dritten Welt anprangert.
Kritikfähig: Malams Installation mit Arzneimitteln, Robin Rhode (rechts) mit seiner Skulptur aus Bierflaschenglas
Camilla Péus
