Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 119

Zwangsweise wachgeküsst

Von Michael Kohler

Museum: Warum die Direktorin des MAK Köln von der Stadt entmachtet wurde

Selbst für die vom Glück nicht verfolgte Kulturstadt Köln ist die Pechsträhne am Museum für Angewandte Kunst (MAK) ungewöhnlich. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich dort drei Direktorinnen verschlissen, unter Birgitt Borkopp-Restle fiel die Institution zuletzt in einen Dornröschenschlaf.

Ausstellungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben oder abgesagt und die Lücken mit teilweise zweifelhaften Gastspielen gefüllt. Schließlich sickerte durch, dass schon im vergangenen Jahr eine Konsequenz aus der Misere gezogen wurde:

Kölns Kulturdezernent Georg Quander erklärte das MAK zur Chefsache und stellte Borkopp- Restle von ihren Aufgaben frei - im Rahmen eines Forschungsauftrags erschließt die unkündbare Beamtin seitdem die Textilbestände des Museums.

Laut Quander funktionierte das Haus unter Borkopp-Restle, die 2005 aus München kam, "nicht so, wie es sollte". Das Museum habe an Ansehen und Besuchern eingebüßt, im Vergleich zu guten Jahren, in denen dank Ausstellungen wie "New Scandinavia - Aktuelles Design aus dem Norden" (1999) und "Highlights - Design aus Großbritannien" (1997) jeweils etwa 75 000 Besucher kamen, haben sich die Zahlen nahezu halbiert.

Den Ausschlag zu Ungunsten der "exzellenten Wissenschaftlerin" (Quander) gab aber die mehrfach verschobene Präsentation der Designsammlung Richard G. Winklers. Mäzen Winkler, der 2004 einige seiner Stücke in einer Sonderschau in Köln gezeigt hatte, bedachte das MAK ein Jahr später mit etwa 630 Objekten, die im Ostflügel des Hauses eine Heimat finden sollten.

Die dafür vorgesehenen Gelder flossen aber in eine Renovierung.

So verstrich der im Schenkungsvertrag vereinbarte Eröffnungstermin.

Der Sammler war nicht entzückt und Quander zog die Notbremse.

Er setzte das Projekt - unterstützt durch eine siebenstellige Spende Winklers - auf ein neues Gleis. Die Präsentation für Köln erarbeitet nun kein MAK-Experte, sondern Mateo Kries, stellvertretender Chef des Vitra-Design-Museums in Weil am Rhein.

Dass dies der Unabhängigkeit des Kölner Museums abträglich sein könnte, sieht Quander nicht:

"Das MAK wird kein Dienstleistungsbetrieb für private Sammler", so der Dezernent. Vielmehr solle mit der neuen Designabteilung frischer Wind ins Haus kommen. Die Eröffnung des für die Winklersche Sammlung umgebauten Flügels steht im Oktober an, etwa gleichzeitig endet der Forschungsauftrag für Borkopp- Restle. Quander hofft wohl, dass die Direktorin, die seit geraumer Zeit für Stellungnahmen nicht zu erreichen ist, aus freien Stücken geht.

Birgitt Borkopp-Restle bewies keine glückliche Hand bei der Leitung des Kölner MAK. Oben links: Blick in die Ausstellung mit Winkler-Stücken von 2004

Kulturdezernent Georg Quander