Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 120

Bedenkliche Herkunft

Von Almuth Spiegler

Raubkunst: Wiener Sammler Leopold im Kreuzfeuer der Kritik

Schließt das Leopold-Museum", "Verhöhnung der Opfer", "nicht endende Schweinerei": Eine Retrospektive über den Tiroler Maler Albin Egger-Lienz (1868 bis 1926) hat das Leopold- Museum, insbesondere dessen Namensgeber und Direktor auf Lebenszeit, den Sammler Rudolf Leopold, so heftig wie nie zuvor ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik gebracht. Kurz nach Eröffnung der Schau, die bis zum 29.

Mai gezeigt wird, bezeichneten die "Grünen" sie als "wahrscheinlich größte Präsentation von Raubkunst in Österreich seit vielen Jahren". Bei 14 Werken seien die Provenienzen bedenklich.

Von diesen 14 stammt aber nur eines aus der Leopold-Sammlung.

Die anderen sind Leihgaben etwa aus dem Tiroler und dem Kärntner Landesmuseum. Diese Sammlungen der Länder und Gemeinden fallen wie auch das Leopold- Museum als Stiftung nicht unter Österreichs Kunstrückgabegesetz.

Dieses will Kulturministerin Claudia Schmied zwar novellieren lassen, die kniffelige rechtliche Lage rund ums Leopold- Museum muss aber erst eine interministerielle Arbeitsgruppe klären. Als Sofortmaßnahme wird die Provenienzabteilung des Museums um zwei vom Staat bestimmte Forscher aufgestockt.

Geprüft wird auch ein Gutachten der israelitischen Kultusgemeinde, laut dem elf Bilder aus der Sammlung Leopold - darunter Egon Schieles Wally-Porträt von 1912 - von umstrittener Herkunft sind. Doch der 83-jährige Sammler beteuert eisern, alles nach bestem Wissen erworben zu haben.

Bilder vom Tiroler Maler Albin Egger-Lienz im Wiener Leopold-Museum