Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 120

Erbarmungswürdig

Von Kito Nedo

KOMMENTAR

Sie ist nicht nur Wahrzeichen Berlins, sondern zählt auch zu den bedeutenden Monumenten der Nachkriegsmoderne in Deutschland: Ludwig Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie am Berliner Kulturforum. Seit September 1968 beherbergt der Glastempel die Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts der Berliner Museen. Bald also steht der 40. Jahrestag der Eröffnung an. Doch in Berlin will man das Jubiläum offenbar stillschweigend übergehen. Dabei böte der runde Geburtstag doch eine perfekte Gelegenheit, etwas gegen den erbärmlichen baulichen Zustand des einzigartigen Hauses zu unternehmen - und sei es mittels einer Spendenaktion, um Gelder für die dringend notwendige Sanierung zu sammeln.

Schon bei der letzten Großschau, den Impressionisten aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art, machte sich die Nationalgalerie durch den krassen Gegensatz von brillanter Kunst und abgewetzter Tapete international lächerlich. Jetzt steht für den Herbst mit der Doppelausstellung von Jeff Koons und Paul Klee wieder ein Megaevent auf dem Spielplan. Doch besonders Koons' Großskulpturen bereiten den Museumsleuten schon jetzt Kopfzerbrechen. Allein das "Hängende Herz" aus der "Celebration"- Serie wiegt rund 1,5 Tonnen und setzt das stark beanspruchte Haus einer großen Belastungsprobe aus. Auch sonst gibt es vieles zu beklagen:

Mittlerweile gibt es etwa fast kein einziges Originalfenster mehr - ersetzt wurden sie jeweils durch zwei kleinere und dickere Gläser, deren mittige Silikonverfugung den Gesamteindruck des Architekturmonuments nachhaltig entstellt. Auch die rostenden Stahlträger und die maroden Sanitäranlagen bedürfen der Überholung.

Zu einer Feier besteht wirklich kein Anlass - der Jubilar braucht endlich Pflege.