Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 8
Studio - Bewaffnetes Amerika
Von
Kasten: ESOTERISCHE AUSSTELLUNGSTITEL - EIN GEDICHT Von der Schönheit des Alltäglichen1 Traumversunken2 Wunder über Wunder3 Die Seele möchte fliegen4 himmelweit 5 Im Lichte milder Verklärung6 Stilles Leben7 Ausflug in die Sinnlichkeit 8 Die bunte Welt 9 Gehen bleiben. Bewegung, Körper, Ort10 Schein11 Verwandlung der Wirklichkeit12 Was hätte sein können, was gewesen sein wird13 Sehnsucht Rhein14 Gestern war ... heute ist15 Regen.bogen.Perlen16 On the Edges of Paradise17 Longing to be in the Same World18 Sternbild Maus19 Schreiben mit Licht 20 Private21 Poetry in Nature22 The Message23 Sweet Dreams24 Mythomat25 "Alles wird Kunst sein ..."26 1: Galerie Epikur, Wuppertal 2: Kunst aus NRW, Aachen 3: Kunsthalle Erfurt 4: Kulturhistorisches Museum Magdeburg 5: Theologisches Studienseminar der VELKD, Pullach 6: Galerie Kienzle & Gmeiner, Berlin 7: Found Galerie, Hamburg 8: Flughafen Stuttgart 9: Museum Burg Wissem, Troisdorf 10: Kunstmuseum Bonn 11: Belvedere, Augarten Contemporary, Wien 12: Altana-Kulturstiftung, Bad Homburg 13: Galerie Kienzle & Gmeiner, Berlin 14: Roentgen- Museum, Neuwied 15: Museum gegenstandsfreier Kunst, Otterndorf 16: Swarovski-Kristallwelten, Wattens 17: Centre de la Photographie, Genf 18: Brandts Kunsthallen, Odense 19:
Startgalerie im Museum auf Abruf, Wien 20: Galerie Schütte, Essen 21: Stadtgalerie im Elbeforum, Brunsbüttel 22: Galerie Schüppenhauer, Köln 23: Kunstmuseum Bochum 24: Städtische Galerie Delmenhorst 25: Oechsner Galerie, Nürnberg 26: LWL-Landesmuseum, Münster
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K LEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (12) experimentell: Adj., [v. lat. experiri ›versuchen‹, ›erproben‹], eine im Kunst-Kontext oft rel. sinnfrei gebrauchte Verlegenheitsbeiordnung, wenn es um methodisch-konzeptuell fragwürdige Projekte geht. Die Tatsache, dass Ergebnisoffenheit alleine diese Beiordnung noch nicht rechtfertigt, wird bes. von sog. -> Hobbykünstlern gern ignoriert. Sie nutzen (oft im Zustand fortgeschr. Verblendung, s. -> Lebenslüge) die Bez.
"e." als Etikett, um halbgare Ideen zu adeln. Unter e. Kunst in Reinform fällt hingegen z. B. "Der Lauf der Dinge" (1987) von Fischli/Weiss. Ihre Wurstserie (1979) zeigt allerdings, dass auch Meister des Genres manchmal schwächeln.
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DIE ART-HOME-STORY ( 1 0 )
Zu Gast bei Michael Triegel Krimskrams, Nippes, Utensilien - im Laufe der Zeit sammelt sich so einiges an. Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers und lassen uns ihre Lieblingssachen und Herzensdinge zeigen.
Sinnspruch im Rahmen Das war ein Geburtstagsgeschenk.
Die Botschaft in altdeutscher Schrift ist mir sehr wichtig. Ich kann sie als Trost lesen, wenn ich angegriffen werde oder aber als Demutshaltung vor dem Werk anderer Künstler. Man begibt sich doch selbst bei jedem Bild wieder in die bescheidene Rolle des Lehrlings.
Tübkes Pferdeschlitten Nach dem Tod von Werner Tübke hat mir die Witwe alle seine Malmaterialien geschenkt - so wie es sein Wunsch war.
Als ich die Utensilien in seiner Wohnung abholte, habe ich diesen wunderschönen Schlitten von 1853 gesehen und war sofort begeistert.
Ich durfte ihn dann kaufen - sozusagen als Kontaktreliquie. Wenn ich darin entspanne, ein Gläschen Wein trinke und raus auf den Kanal schaue, entstehen meine besten Bildideen.
Schädelkiste Die Sammlung von Tierschädeln hat mir ein Freund geschenkt. Er hat sie auf der ganzen Welt gesammelt. Morbides fasziniert mich. Auf meinen Bildern verwende ich oft Vanitas-Symbole, da bieten sich die Knochen als Vorlage an. Ihre Formen sind anspruchsvoll: So trainiere ich Auge und Hand.
Gipstorso Als 1994 die Leipziger Kunsthochschule wegen einer Sanierung entrümpelt wurde, habe ich diesen Gipstorso aus dem Müllcontainer gerettet.
Er ist der etwa 2500 Jahre alten Bronzestatue eines Diskuswerfers von Myron nachempfunden. Seitdem betrachte ich den Torso als Symbol für meine eigene Arbeit: Ich versuche auch, das Alte, das Historische zu bewahren und etwas Neues, Gültiges daraus zu schaffen.
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GAGA: PRESSETEXT DES MONATS "Das Kestner-Museum bekommt einen neuen Namen: Museum August Kestner wird sich das Kestner-Museum ab dem 28.11.2007 - am 230. Geburtstag von August Kestner - nennen.
Die Umbenennung ist das Ergebnis einer fast zweijährigen Diskussion mit dem Freundes- und Förderkreis des Museums "Antike und Gegenwart".
Gemeinsam mit dem Institut für Journalismus und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik und Theater in Hannover wurde eine umfangreiche Studie entwickelt, die sich sowohl mit der Umbenennung als auch mit einer werbewirksamen Umsetzung auseinander setzte. Der kleine Unterschied zwischen altem und neuem Namen bringt große Vorteile mit sich: [...] Die Nennung des Vornamens soll Missverständnissen vorbeugen, die häufig zu Verwechslungen mit "Erich Kästner" beitragen.
Durch die Voranstellung des Begriffes "Museum" wird der Unterschied zu privaten Kunstvereinen deutlich, insbesondere soll die Abgrenzung zur Kestner-Gesellschaft einsichtig werden. Die Intitialen M-A-K sollen Raum für publikumsnahe Slogans geben. So wird der Claim: "Mehr als Kunst" zukünftig als Untertitel geführt [...]. Sowohl der Kulturausschuss als auch der Rat der Stadt Hannover haben dem Projekt "Umbenennung" bereits zugestimmt."
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MINI-KRITIK Seit kurzem hat Berlin ein Giordano- Bruno-Denkmal. Die fast sechs Meter hohe Bronze eines kopfstehenden Menschenwesens steht eingezwängt zwischen zwei Rolltreppen am Eingang zu einer Unterführung am Potsdamer Platz.
So wird nun an den großen italienischen Kirchenkritiker und Philosophen erinnert. Warum es dieser Ort sein musste, wo täglich Tausende Menschen vorbeistürzen, das wissen wohl nur die Verantwortlichen von der Deutschen Bahn - oder der Künstler Alexander Polzin, auf dessen Initiative die Aufstellung dieser eher dürftigen Skulptur zurückgeht. Dabei hätte sie eindeutig besser in eine der vielen Berliner Parkanlagen gepasst - am besten in eine sehr abgelegene, sehr wenig frequentierte Ecke. Bleibt zu hoffen, dass dieser Ort noch gefunden wird.
Ganz selbstverständlich posieren diese US-Familien mit Kindern, Haustieren und Gewehren. Das Recht auf die eigene Schusswaffe ist den Amerikanern so heilig, dass sie es sogar in der Verfassung verankert haben. Daran ändern auch gelegentliche blutige Massaker nichts.
Kyle Cassidy hat die Waffennarren in seinem Buch "Bewaffnetes Amerika" porträtiert. Infos unter: www.schwarzkopf-schwarzkopf.de Ein Logo hat Geburtstag: Vor genau hundert Jahren wurde eine rote Scheibe mit dem blauen Balken als Markenzeichen für die Londoner U-Bahn eingeführt. Doch auch Geniestreiche brauchen Regeln, wie die Skizze des Kalligrafen Edward Johnston aus dem Jahr 1925 zeigt. Dessen neue Schrift für die "Tube" machte übrigens ebenfalls Karriere: Sie diente als Vorlage für die "Gill Sans", eine der berühmtesten Schriften überhaupt.
Achtung: Wenn ein Hotel in der Rubrik "Design" oder "Art" geführt wird, ist äußerste Vorsicht geboten. Nicht selten schmücken sich Bettenburgen mit schaurig gestalteten Themenzimmern durch diesen Beinamen. Unsere Bestandsaufnahme des Schreckens zeigt, dass Herzchen, Kronen, Gold und Berge in diesen Herbergen besonders hoch im Kurs stehen. Die vermeintlichen Designer schrecken vor nichts zurück, wenn sie die Zimmer mit dem unbeschreiblichsten Kitsch dekorieren. Wären die Themen doch wenigstens nachvollziehbar! Wozu braucht man in Kopenhagen die volle Almdudler-Dröhnung mit Schneewipfeln, Berggemsen und Pfeifen-Öhi?
Oder Betonröhren-Betten an der Donau in Linz? Dagegen wirkt das Mond-Zimmer in Minneapolis ja beinahe originell. Obwohl: dieses Pappraumschiff ... Also wie gesagt:
Vorsicht beim Stichwort "Design-Hotel".
Globale Geschmacklosigkeit:
1. "Hotel Fox" in Kopenhagen, 2. "Das Parkhotel" in Linz, 3. "Arte Luise Kunsthotel" in Berlin, 4. "Propeller Island City Lodge" in Berlin, 5. "Reflections Rooms" in Bangkok, 6. "FantaSuite Hotels" in Minneapolis
Trompeten, Tuben, Posaunen, Hörner, Saxophone - der litauische Künstler Saulius Vaitieku-nas hat für seine Arbeit Requiem an das Orchester 141 Blasinstrumente mit fast 5000 Metern Kabel verbunden.
Und obwohl alles da war für ein Konzert, herrschte Stille in den Räumen der Galerija Vartai in Vilnius. Vaitieku-nas spielt mit der Zahl 141 - so viele Sitze hat das Parlament - darauf an, dass Litauens Bevölkerung schrumpft. Viele junge Leute gehen ins Ausland, um dort ihr Glück zu versuchen.
Vaitieku-nas möchte seine Arbeit in diesem Sinne als ein "Requiem", also Totenmesse, verstanden wissen - und findet das auch nicht im mindesten übertrieben.
Stille Totenmesse:
"Requiem an das Orchester" von Saulius Vaitieku-nas in der Galerija Vartai
Experimentelle Wurst: "Modeschau" von Fischli/Weiss
Michael Triegel, 39, in seinem Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei, im Hintergrund zwei neue Bilder.
Kontakt: www. galerie-schwind.de
Raus hier!
Beim Online- Spiel "Gallery Escape" muss man nicht aus finsteren Gefängnismauern fliehen, sondern aus einer lichten Kunstgalerie mit erstklassigen Exponaten
Stellen Sie sich vor, Sie sind eingesperrt in einer Galerie. Außer Ihnen gibt es nur Damien Hirsts Hai, Andy Warhols Brillo-Boxen oder Jeff Koons Stahlhasen, aber keinen Ausgang. Den müssen Sie suchen - und zwar mit Ihrer Maus. Gallery Escape heißt das Online- Spiel, dass Sie hier finden: www.shatteredgames.com/galleryEscape. Die Geheimnisse der Objekte kann man nur durch Scrollen und Klicken entschlüsseln. So findet man nach und nach Werkzeuge, wie einen Glasschneider oder Schlauch. Die helfen dabei, die Scheibe aufzutrennen und das Hai-Formaldehyd in die Brillo-Boxen zu leiten. Den Ausgang hat man damit allerdings noch längst nicht gefunden.
Giordano-Bruno-Denkmal von Alexander Polzin am Potsdamer Platz in Berlin
