Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 6

Möchtegern-Spanner

Von

"Schatten der Vergangenheit" - Gerhard Mack über den tschechischen Fotografen Miroslav Tichc (3/2008) Habe erst einmal schallend gelacht. Habe ich das richtig verstanden? Da kriecht ein Spanner durch die Büsche und macht Fotos seiner ahnungslosen Opfer - und dann stürzt sich eine Masse von Möchtegern-traut-sich-aber-nicht-selber- Spanner-zu-sein auf die Bildchen und erklärt sie zu unerhörter Kunst? Wenn überhaupt jemandem diese Bildchen gehören, dann den unbekannten Opfern.

Wenn ich mir das so betrachte, dann frage ich mich, wann der Damm bricht und Päderasten- und Snuffvideos zu Kunst erklärt werden. Unmöglich? Da wär ich mir nicht so sicher. In manch einer Messe stehen dermaßen viele "Chapman-Kinder" mit angeföhnten Geschlechtsteilen herum, dass ich Gefahr laufe, meine Augenbrauen bis zum Haaransatz hochzuziehen.

Und damit diese platten Geschmacklosigkeiten erlaubt werden, wird laut in das Horn der Freiheit der Kunst getrötet.

Kaum einer traut sich, das Zeug öffentlich als dümmlichen Kitsch zu bezeichnen, weil dann das Holzhammerargument kommt, man sei prüde, verklemmt oder habe eben keine Ahnung.

Anita Werner, per E-Mail